Rückblicke oder so

Eigentlich sollte seit Anfang Dezember hier ein Monatsrückblick für November stehen. Eigentlich sollte seit Anfang Januar ein Monatsrückblick für Dezember stehen. Eigentlich fehlt auch noch ein Jahresrückblick.

Zumindest den Jahresrückblick könnte ich in wenigen Worten wieder geben. Ich habe alles verloren, für was ich 2015 gekämpft habe. Ich hatte nach fast 10 Jahren Psychokarriere das erste Mal eine Phase die halbwegs gut und mit Perspektiven behaftet war. Mittlerweile bin ich psychisch in einem schlechteren Zustand, als nach dem letzten Klinikaufenthalt. Ich hätte nie gedacht, dass das möglich ist.

Anfang November teilte mir meine Betreuerin ja mit, dass sie Ende Januar in den Mutterschutz geht. Begleitet von Hinweisen, dass für sie ja eine neue Kraft eingestellt wird. Eine Woche später teilte sie mir, freudestrahlend mit, dass es bereits ab Januar eine neue Betreuerin für mich gibt. Nannte mir den Namen und ich dachte nur, bitte nicht. Außerdem fühlte ich mich abgeschoben, weil sie so freudig war, mich schneller los zu werden.

Der Wechsel prägte den Rest der Betreuung. Und leider auch das Leben drum herum. Selbst meine Chefin sprach mich an, dass ich mies aussehe. Sonst kann ich das ja meistens ausblenden.

Im Laufe der restlichen Betreuung habe ich den Datenschutzrichtlinien widersprochen. Da wurde ich dann richtig zum Problem. Denn damit mache ich ja Arbeit. Und ganz wichtiger Punkt war auch die Supervision. Ich weiß bis heute nicht, was meine persönlichen Daten in der Supervision zu suchen haben. Somit war ein Gespräch mit der Leitung nötig. Dem ich auch zustimmte, in der Hoffnung, man hilft mir mit dem Betreuerwechsel, der für mich immer mehr zum Problem wurde.

Das Gespräch fand im Beisein von Frau Sonnenschein statt. Zusammengefasst musste ich den Datenschutzrichtlinien zustimmen, weil sonst keine Betreuung möglich wäre. Man fand mich misstrauisch und keine Ahnung. Auch weil ich doch tatsächlich Akteneinsicht möchte, was mir ja rein rechtlich zusteht und ebenfalls in den Datenschutzrichtlinien drin steht, die ich unterschreiben musste.

Ganz großes Problem am Betreuerwechsel war ja auch, dass ich die Neue vorher kennen lernen wollte. Was mir ja immer wieder verweigert wurde. Bzw. wurde mir gesagt, dass es ja vorher sei, wenn ich die Neue nach dem Betreuungsbeginn kennenlerne.

Der Leiter meines BeWos versprach mir dann, dass ich die Neue vor Weihnachten kennenlerne, aber die Betreuung erst ab Januar beginnt. Obwohl er nicht verstehen konnte, warum ich die Neue vorher kennenlernen möchte. Er meinte aber, zwei Meinungen können ja nebeneinander Bestand haben. Ich habe das damit kommentiert, dass er ja aber die Macht hat, seine Meinung durch zu setzen. Dem stimmte er zu.

Am selben Tag fand dann noch die Betreuung statt. Ich vertraute meiner schwangeren Betreuerin mit, dass für mich das Tempo ein ganz großes Problem wäre. Erst urplötzlich schwanger und die Ankündigung sie sei bis Ende Januar meine Betreuerin und die Woche drauf schon eine neue Betreuung für früher habe.

Was ich immer wieder klar formuliert habe, dass ich die Situation auf Weihnachten nicht wollte. Da man ja soo sehr Wert auf den fachlichen Austausch legt (deshalb sollte ich ja den Datenschutzrichtlinien zustimmen), müsste man eigentlich wissen, wie schwierig Weihnachten generell für mich ist. Das ich in der Regel zwischen Oktober und im schlimmsten Fall März zu nix zu gebrauchen bin.

Am nächsten Tag klingelte das Telefon. Der Leiter des BeWo. Man habe am Abend vorher noch zusammen gesessen und die Neue hätte die Betreuung ab dem Vorabend übernommen. Ich brach heulend am Telefon zusammen. Der Leiter konnte das gar nicht verstehen, weil das doch genau meinen Wünschen entsprechen würde. Ich hab das Gespräch beendet, weil ich kein Wort mehr durch mein Heulen verstand. Danach war er für mich nicht erreichbar und ab dem Tag danach im Urlaub.

Frau Sonnenschein und Wunderärztin, die mich dann beide nacheinander heulend am Telefon hatten, sind auch recht sauer über das was da passiert ist. Sind sie immer noch. Frau Sonnenschein wollte wohl, wie ich später erfuhr, den Leiter anrufen, weil in ihrem Beisein ja was anderes besprochen wurde. Was sie aber nicht tat. U.a. weil ich ihr mitgeteilt hatte, dass er im Urlaub ist. Was ich im nach hinein aber passend empfunden hätte, damit man auch mal sieht, dass andere es wie ich sehen.

Die Neue hatte ein wenig Probleme einen Termin mit mir zu finden. Sie wollte mich anrufen. Was aber nicht klappte. Dann kam eine Mail mit einem Terminvorschlag, von dem an sich hätte bekannt sein müssen, dass ich da nicht kann.

Angeblich, so hatte mir die Leitung das am Telefon mitgeteilt, sollte dann auch eine Übergabe statt finden. Den ersten Termin mit der Neuen hatte ich Anfang Dezember. Zur Übergabe kam es dann Anfang Januar – also vier Wochen später.

Ich habe meiner alten Betreuerin einen Brief geschrieben, den ich bei der Übergabe vorlesen wollte. Auf gutes Zureden anderer und weil Frau Sonnenschein meinte, eine schwangere Frau müsste man schützen, habe ich eine freundlichere Fassung aufgesetzt. In der ich eben erklärte, wie ich mich gefühlt habe in einigen Situationen.

Die Neue fand mich unmöglich, weil ich ja nur Vorwürfe mache usw. Auch findet sie es unmöglich, dass ich versucht habe, die Schweigepflichtentbindung entzogen habe und den Datenschutzrichtlinien für das andere Team zu widersprechen. Ohne meiner Zustimmung sei keine Betreuung möglich und ich sei zu misstrauisch.

Fertig vorgelesen habe ich somit auch nicht. Meine alte Betreuerin gestaltete ihre Übergabe so, dass sie drei Punkte nannte, die man ihrer Meinung nach für 2016 erreichen müsste. Aber nichts über mich oder so. Die Neue (ich glaube das ist nun ihr Synonym) meint, sie will mich selber kennen lernen. Ich finde ja, ein paar Infos wären nicht schlecht. Aber das liegt nicht in meiner Macht.

Auf meine Frage, was sie denn mit mir in dem halben Jahr erreicht hat, konnte sie mir keine Antwort geben. Ich schlussfolgere aus ihrem Schweigen, dass wir alles was im Hilfeplan steht, erreicht haben?

Die letzten Wochen mit ihr waren geprägt durch meine Fragen. Ich habe sie verzweifelt angebettelt, dass sie mir hilft mit der Situation umzugehen. Sie hat hauptsächlich geschwiegen und mich darauf hingewiesen, dass sie selber entscheiden kann, wann sie wem wie die Schwangerschaft mitteilt. Ich hätte gerne die Entscheidung, wem ich vertraue, für mich selber entschieden. Immerhin haben sich die Bedingungen für die Betreuung im August (ich vermute eher im Juli schon – also 6-8 Wochen nach Betreuungsbeginn) geändert. Nur das ich davon nichts wusste.

Ich habe mich ihr anvertraut. Habe mein Leben transparent gehalten. Manche Dinge wurden (bewusst?) gegen mich verwendet. Man hat mich mir selbst überlassen. Im Hilfeplan steht was von psychischer Stabilität. Aber sie hat mich in allen Krisensituation während der Betreuung abgewiesen.

Ich habe teilweise heulend vor ihr gesessen und sie hat es nicht interessiert. Sie hat, bei einem Termin bei Wunderärztin, meine Selbstverletzungen gesehen und es hat sie scheinbar nicht interessiert. Ich empfinde, dass sie das wollte und das ihr Ziel war. Fehlt nur noch der Suizid.

Ich kann nicht mehr und weiß nicht weiter. Die Neue ist nicht mein Ding. Noch dazu hat sie Arbeitszeiten, die mit meinem Tagesrhythmus nicht zusammen passen. Ich lebe einen verschobenen Tagesrhythmus und seit dem ich den bewusst lebe und dazu stehe, geht es mir psychisch auch besser. Da ich es nicht schaffe, früher ins Bett zu gehen, wird das zum Problem werden. Und früher ins Bett gehen habe ich nun in den letzten Monaten mehrfach versucht. Es klappt einfach nicht. Ich überlege nun, meinen Tagesrhythmus noch mal komplett umzuschmeißen und eben von 15 bis 22 Uhr zu schlafen.

Ich finde es schade und auch verletzend, dass eine Organisation, die sich um psychisch kranke Menschen kümmern sollte, so handelt. Es verletzt mich, dass sich keiner mit mir auseinander setzt. Ich habe keine Wunder erwartet. Aber Schweigen, Schweigen, Schweigen und ab und an mal die Worte: Das ist nicht so ohne weitere Erklärungen, hat mir nicht geholfen.

Ich liebäugle mit einem Klinikaufenthalt. Sogar in der Horrorklinik. Auch hier überwältigen mich aber immer wieder die schlechten Erinnerungen. Was wird mit mir passieren dort? Wobei ja keiner am Ist-Zustand der Situation was ändern kann. Leider weiß ich auch, dass die personelle Situation in der Horrorklinik gerade mehr als bescheiden ist. Eine Pflegekraft pro Schicht für über 20 Patienten. Ich hätte wieder keinen Ansprechpartner.

Wie wird der Oberarzt reagieren? Wie wird man generell reagieren? Wie werde ich reagieren? Kann ich mich davon trennen, nicht nur bockig (resultierend aus den Erfahrungen in dem Haus) zu reagieren?

Im Dezember habe ich nur durch gehalten, weil mein Bruder Geburtstag hatte und ich ihm den Geburtstag nicht verderben wollte. So ging es auch auf Weihnachten zu. Btw. eines der miesesten Weihnachtsfeste. Im Januar habe ich jemand meine Hilfe bei was versprochen. Dort war ich nach dem Übergabegespräch verabredet. Wäre das nicht gewesen, hätte ich mir umgehend nach dem Übergabegespräch das Leben genommen.

Und ganz schwer ist es zu ertragen, dass sowohl Frau Sonnenschein, wie auch Wunderärztin und mein ambulanter Kontakt bei der Telefonseelsorge gerade nicht weiter wissen. So oft wie die letzten Wochen habe ich auch noch nie mit der Telefonseelsorge telefoniert. Die mir ebenfalls sagen, dass das was in mir vorgeht, auch für Gesunde schwierig wäre.

Urlaub….

Momentan ist ja jeder aus meinem Netz der Helfenden im Urlaub, selbst die Leute, die nicht direkt zum Netz gehören. Und irgendwie bekomme ich es nicht geregelt, Struktur rein zu bringen, wenn die festen Termine weg fallen. Tagesstruktur ist ja eh nicht mein Ding, aber es fällt gerade alles weg.- Irgendwie gerade kein Urlaub für mich.

Als ich eine ähnliche Situation im Frühjahr hatte- da will ich irgendwie nicht mehr hin. Die Tage bestanden aus spät ins Bett gehen, spät aufstehen, mit Schlafmittel zuschmeißen (ok die Dosis war abgesegnet), ein bisschen Online sein, wieder ins Bett gehen und Lesen (wahlweise auch heulen), ein bisschen Internet, Fernsehen, Internet, spät ins Bett gehen.

Samstag traf ich meinen Vermieter im Hausflur. Gut das er mich treffen würde, am 19. käme die Firma zur Heizungswartung. Ja ok. Ob es reicht, wenn ich ab 10 Uhr da bin? Komische Reaktion. Naja was solls. Irgendwie immer witzig. Er hat ein Problem mich zu erreichen. Ich bin in der Woche maximal 20 Stunden aus dem Haus. Ich wohne über ihm, er müsste mich an sich ja mal hören. Briefkasten habe ich auch. Telefonnummer hat sich auch nie geändert. Aber ok. Und ich verstehe nicht, warum ich ab sagen wir 7 Uhr hier sitzen und warten soll, wenn der Handwerker dann frühestens um 12 Uhr zu mir kommt. Ich plane mal gegen 10 Uhr aufzustehen. Ich wette aber, dass ich beim ins Bett gehen heute Nacht doch wieder grüble, ob früher nicht besser ist und mich dann morgen wieder ärgere.

Generell schwanke ich gerade zwischen keine Ahnung was. Am Samstag drehten sich die Gedanken wieder mal um Erinnerungen. Ich bin so wütend und damit dann auch verstört. Ich kann das was passiert ist nicht ändern. Schade nur, dass man mir immer wieder entweder sagt, dass ist nicht passiert oder ich sei schuld dran.

Die Gedanken drehten sich auch um die neue Psychiaterin. Bzw. deswegen kochten alte Gedanken hoch. Wie weit ihr sagen, dass ich scheinbar ein Problem mit Nähe und Distanz habe? Bisher hat das vorher sagen auch nichts gebracht. Als das Kind in den Brunnen gefallen war, hat man mich mit den Problemen alleine gelassen.

Immerhin ist die Küche nun aufgeräumt. In die Bücherei will/muss ich die Woche noch. Bei der Frauenärztin sollte ich auch mal vorbei schauen. Ich trau mich ja nicht anzurufen. Und ich könnte mal das Wagnis auf mich nehmen, zu Ikea zu fahren.
Ich sollte die Tage ohne Druck genießen. Mache mir aber selbst Druck, dass ich nicht nur abhängen kann. Aber irgendwie auch keine Kraft, größere Aktionen zu planen.

Mein bestes Cordon Bleu

Friedhofbesuch war relativ ok. Das Essen danach war ziemlich genial. Das war wahrscheinlich das beste Cordon Bleu, welches ich je gegessen habe. Ok das von Mama ist natürlich nicht zu toppen.

Ansonsten irre ich ziemlich verstört durch die Weltgeschichte. Einen unheimlichen Druck, den ich nicht wirklich näher definieren kann. Angst, nur weiß ich nicht wirklich vor was.

Wie jeden Montag, Termin bei der Sozialarbeiterin. Ok die ist nun erst mal im Urlaub. Passenderweise meine Betreuerin auch. Also zwei Wochen ohne Ansprechpartner.

Mal wieder fast heulend im Bus sitzen. Nachdem ich im Vorfeld schon endlos überlegt habe, ob ich mich nun selbstverletzte oder nicht. Dagegen hat an sich nur gesprochen, dass es doch wieder ausarten würde. Wieder mal vor der Klinik gestanden und überlegt, SVV oder nicht. Leider helle Kleidung angehabt.

Die Sozialarbeiterin war bereits vorgewarnt. War für mich absehbar. Meine Stimmung war letzte Woche schon nicht die Beste. Die hat dann auch nachgefragt, was denn der Auslöser sei. Und ich saß da, wusste nicht was ich sagen sollte. Am liebsten hätte ich ihr meine ganze Wut entgegen geknallt. Aber es gibt ja ein Redeverbot zu dem Thema. Sie fragte irgendwann nur, ob ich gerade überlege, wie ich meine Antwort in Worte fassen soll. Als ich dann sagte, dass sei ein Thema über welches ich nicht spreche darf…. naja irgendwie wirkte sie sauer.

Glauben die echt, die Probleme sind aus dem Weg, wenn man mir verbietet darüber zu sprechen? Glauben die echt, die Probleme sind aus dem Weg, wenn man mir sagt, es sei rum, ich soll los lassen? Etwas was ich nicht kann, weil es zu viele offene Fragen gibt und Fragen, auf die ich zu viele widersprüchliche Antworten habe.

Morgen habe ich den zweiten Termin mit der Ärztin dort. Macht mir Angst. Eben weil sie Angestellte der Klinik ist. Auch wenn meine Betreuerin mit dabei ist. Die allerdings nur maximal 3x mitgehen wird. Ob ich noch mal versuchen sollte, meiner Betreuerin zu sagen, dass ich alleine nicht zu der Ärztin gehen mag? Wäre zumindest ein klar formuliertes Bedürfnis.