Lebenszeichen oder so

Eigentlich sollte ich hier schon lange der Monatsrückblick für Februar stehen. Bald auch der für März. Aber irgendwie bekomme ich es nicht wirklich auf die Reihe.

Mein Wunschaufenthalt in der Psychiatrie war Thema für sich. Es blieb bei den geplanten 10 Tagen, die ich schlussendlich Wunderärztin und Frau Sonnenschein zuliebe durch gezogen habe. Ich war mehrfach gedanklich dabei meine Koffer zu packen.

Ausschlaggebend für den Aufenthalt war für mich vor allem der Hinweis, dass ich dann ja jemand zum Reden hätte. Die Illusion wurde mir recht bald genommen. Es gab pro Woche ein Gespräch mit der Therapeutin von 25 Minuten. Was ich für verschwindend gering halte. Ich kam schon beim ersten Termin nicht hin. Denn bis ich auf die gestellte Frage geantwortet hatte, waren wir bei 50 Minuten.

Bezugspflegegespräche waren auch nur jeweils 25 Minuten. Eines pro Woche. In Krisensituationen wären die Gespräche auf mit der Bezugspflege auf 10 Minuten begrenzt gewesen. Das habe ich mir dann gleich geschenkt, weil ich es nicht schaffe, mein Gefühlschaos in 10 Minuten zu erklären. Wobei bei den Gesprächen wahrscheinlich nach 5 Minuten die Skillsschublade aufgezogen worden wäre. Sprich mir wäre geraten worden, was ich nun an Skills machen kann. Mich ablenken hilft mir aber nicht dabei meine Probleme zu lösen.

Ich habe sowohl bei der Therapeutin, wie auch bei der Bezugsschwester klar angesprochen, dass mir das nicht reicht. Ja das sei halt so. Und das sei alles bei jedem so. Nur doof, wenn andere Patienten anderen Patienten erklären, dass es ein Therapeutengespräch von 50 Minuten pro Woche gibt. Doof ist auch, wenn Mitpatienten erzählen, dass sie gerade eine Stunde mit einer Schwester geplaudert haben.

Von der Therapeutin gab es die Hausaufgabe, dass ich aufschreiben sollte, welche Bedürfnisse ich an eine neue Betreuerin hätte. Ich frage mich und das leider bis heute, warum ich Bedürfnisse formulieren soll, wenn gerade Menschen aus dem professionellen Bereich genau entgegengesetzt handeln. Damit habe ich den Aufsatz auch eingeleitet. Das wäre auch der Punkt gewesen, an dem man hätte arbeiten müssen. Statt dem wurde auf die Uhr gesehen, dass wir auch ja die 25 Minuten nicht überschreiten und dann wurde mir gesagt, wie toll ich doch meine Bedürfnisse formuliert hätte.

Ich weiß, wie es war, als ich im letzten Jahr gegenüber meiner Betreuerin mehrfach mein Bedürfnis geäußert habe, dass ich mit der Situation nicht umgehen kann, dass sie mir helfen soll. Was hat sie gemacht? Sachen, die ich ihr anvertraut habe, gegen mich verwendet. Ich weiß noch, wie es war, als ich dem Chef der betreuenden Organisation gegenüber meine Bedürfnisse geäußert habe und er mir versprach, dass er sich darum kümmert und mir am nächsten Tag mitteilte, dass er genau das Gegenteil macht und noch dazu behauptet, ich hätte das so verlangt. Komisch nur, dass Frau Sonnenschein, die bei dem gemeinsamen Gespräch dabei war, es genauso gehört hat, wie ich mich erinnere. Und ich weiß, wie die Klinik damit umging und noch umgeht, dass es mein Bedürfnis ist, zu verstehen, was bei dem Klinikaufenthalt 2009/2010 gelaufen ist. Dazu habe ich bis heute keine Auskunft, beziehungsweise ich darf darüber nicht mehr sprechen.

Wie kann man erwarten, dass ich Bedürfnisse formuliere, wenn man selbst meine Bedürfnisse mit Füßen tritt? Ich hatte ja der Therapeutin gegenüber das Bedürfnis geäußert, dass ich eindeutig mehr Gespräche bräuchte. Beziehungsweise mir eben 10 Minuten Krisengespräche nicht reichen.

Der Arztbericht war dann der Hammer. Meine Mutter ist ein Jahr und einen Monat später gestorben. Faszinierend das argumentiert wurde, man habe alte Dinge nur kopiert. Bei Copy und Paste stünde da was anderes. Ganz klar war auch, dass ich dabei bin Pflegestufe zu beantragen, um damit die Haushaltshilfe zu finanzieren. Im Arztbericht stand dann, dass ICH 3 Stunden die Woche als Haushaltshilfe arbeite. Hat man mir eigentlich zugehört? Wenn man die Zeiten schon so limitiert, dann würde ich mir zumindest wünschen, dass man mir zuhört.

Die Bezugspflegegespräche sollten an sich darum gehen, dass ich einen Plan für den Haushalt erstelle. Mit meiner Haushaltshilfe klappt das nämlich nicht wirklich. Das sie 3 Stunden dazu braucht, zwei Böden zu kehren, die beiden Böden zu saugen, in zwei Zimmern vorne herum ein wenig zu saugen, den Flur zu saugen, in Badewanne und Waschbecken massig Reinigungsmittel zu kippen und oberflächlich sauber zu machen und dann noch Küchenboden, Badboden und Hausflur zu putzen – das kann es nicht sein. Und das riss leider immer mehr ein.

Im ersten Gespräch kamen wir dazu nicht. Im zweiten Gespräch klärte mich die Schwester umfangreich darüber auf, was sie machen würde und erläuterte mir umfangreich den Stand vor dem Aufenthalt. Ich war aber schon weiter, da ich auch hier die Hausaufgabe, die lautete, machen Sie mal einen groben Plan, gemacht hatte. Und ihr Monolog durfte auch nicht unterbrochen werden. Bei jedem Versuch kam nur, ich soll sie ausreden lassen.

Mit den Mitpatienten war es auch eher Thema für sich. Einer, der ein Problem mit mir hatte, dem ich aber immer gut genug war, wenn er mich brauchte, argumentierte mir gegenüber, man würde sich an dem und dem stören – das würden die anderen auch sagen. Ich fragte mich innerlich, warum man mir das nie gesagt hat. Habe mich dann aber eben distanziert.

Ach ja, mit der Pflege gab es im Vorfeld die Absprache, wenn ich mich abkapsle, dann soll man mich ansprechen. Fiel noch nicht mal auf, dass ich auf einmal nur noch alleine war.

Ich für mich kann mittlerweile benennen, wann ich angefangen habe dicht zu machen und warum. Was für mich ein großer Fortschritt ist. Trotzdem weiß ich nun, dass das Setting, dass die Klinik anbietet, eben nicht mein Ding ist.

Seit kurz vorm dem Aufenthalt ist Persönliches Budget Thema. Der Kostenträger gibt grundsätzlich sein Ok. Allerdings muss ich vor Antragsstellung erst mal eine Betreuerin finden. Was sich als mehr als schwierig erweist. Es gibt keine offizielle Liste. Auf der inoffiziellen Liste stehen vor allem Männer drauf. Die Frauen nehmen zum Teil niemanden oder haben mich abgelehnt oder ich habe sie abgelehnt.

Ich suche nun natürlich nach Möglichkeiten. Laufe dazu von Pontius zu Pilatus. Keiner weiß was, keiner kennt jemand und so weiter. Psychosoziale Betreuung für psychisch Kranke kennt man hier kaum. Es sei denn, man geht über eine Organisation, was ich ja nicht mehr möchte.

Mit meiner neuen Betreuerin werde ich auch nicht warm. Sie macht mir Angst und ich vertraue ihr nicht. Ich sitze im Endeffekt meine Zeit bei ihr ab, bzw. habe die eben auch minimiert. Wichtige Dinge erledige ich alleine. Mehr schlecht als recht. Hauptsache ich muss mich ihr nicht anvertrauen.

Pflegestufe ist bewilligt worden, was mir zu denken gibt. Ohne Probleme beim ersten Anlauf. Die Haushaltshilfe kann ich darüber nicht finanzieren, sagte die Gutachterin. Der Kostenträger vom Betreuten Wohnen, der die Kosten zur Zeit trägt, sagt aber, dass das geht und er das einfach macht.

Momentan ist mir das alles zu viel. Vieles hätte früher meine Betreuerin aufgefangen. Die vorletzte. Die letzte hätte mich wohl nur ausgelacht?

Die Gedanken drehen sich wieder viel um Anna. Und um die letzte Betreuerin. Beide haben den selben Vornamen. Ich habe mal gesagt, ich würde mir ein T-Shirt bedrucken lassen, auf dem vorne drauf steht: Annas Spielzeug und auf der Rückseite ein Mülleimer zu sehen ist, in den man mich rein schmeißt mit den Worten: Mist kaputt – Ach egal! Denn das würde es einfach treffen.

Momentan würde ich mir einfach wünschen, dass mal was klappt. Aber irgendwie klappt gerade mal wieder nichts. Noch dazu gehe ich beim kleinsten an die Decke. Momentan ist es mein Vater.

 

 

 

 

 

 

 

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Lichtblicke

Mir fällt es gerade wieder mal schwer mich aufzuraffen. Keine Ahnung warum. Trotzdem schaffen gerade Kleinigkeiten Licht im Dunkel.

Heute war meine Betreuerin da. Der erste volle Termin in diesem Jahr. Zu erledigen war endlich die Zuzahlungsbefreiung. Der Antrag kam irgendwann kurz nach meinem Umzug und ich hab den verschusselt. Dann noch mal beantragt und bis ich dann die Papiere zusammen hatte. Da noch der Schrieb vom Arzt fehlte, konnten wir das letztes Jahr nicht mehr fertig machen und ich habs alleine nicht auf die Reihe bekommen.

Neuer Betreuungsvertrag. So was schiebe ich ja auch immer. Hab den aber immerhin mal gelesen, bevor meine Betreuerin kam. Schweigepflichtsentbindung für Frau Sonnenschein, meine Perle und Wunderärztin. An sich will ich das nicht unterschreiben. Ich habe gerne die Kontrolle darüber wer mit wem wann über mich kommuniziert. War in Ordnung, dass ich den Schrieb nicht unterschrieben habe.

Klar kam das Gespräch wieder auf den letzten Klinikaufenthalt. Meine Gedanken Anna zu schreiben. Betreuerin meint weiterhin das bringt eh nichts. Hat sie sicherlich Recht mit. Sie sagte aber auch, dass die Ereignisse mit mir hätten aufgearbeitet werden müssen und sie das auch nicht gut findet. Aber es sei nun mal vorbei.

Auf meinem Speicher waren wir auch. Mir graut es ja noch davor, wenn meine Vermieter kommen, ich soll den Speicher ganz räumen. Wenn die mir den ersten Teil lassen, würde mir das ja reichen. Ok den großen Kleiderschrank müsste man wo anders unterbringen. Was aber denen ihre Sache sein wird.

Somit immerhin ein Lichtblick. Wichtigen Papierkram erledigt. Nächste Woche ist der Mieterschutz noch mal dran. Denn meine Vermieter haben immer noch nicht das Übergabeprotokoll unterschrieben und ich nicht den Mietvertrag. Ich nehme mal an die holen zum Großkampf auf, wenn Sohnemann umgezogen ist. Was scheinbar noch dauert. Hier oben turnen die Handwerker auch gerade ständig rum und werkeln irgendwas in der Nachbarwohnung und in der Toilette auf dem Hausflur. Ich bin gespannt.

Anna-Kreisel

Irgendwie war ich dank Inventur berauscht. Mir ging es psychisch halbwegs gut. Das Gefühl gebraucht zu werden vielleicht? Ich weiß es nicht. Trotzdem plagt mich weiter mein Rücken. Ansonsten fühle ich mich gerade so ohne Ziel oder so.

Eigentlich müsste ich in meiner Wohnung was machen. Aber Irgendwie weiß ich mal wieder nicht wo anfangen und eigentlich will ich hier raus.

Ansonsten drehen sich die Gedanken wieder mal um Anna. So viele Gedanken. Wie würde ich reagieren, wenn ich sie sehen würde? Was würde ich ihr sagen? Und eigentlich weiß ich, dass ich wahrscheinlich wortlos vor ihr stehen würde.

Ich überlege weiter ihr einen Brief zu schreiben. Immerhin wäre er wohl weniger umfangreich als zu den Zeiten, als ich diesen Blog hier begonnen hatte. Trotzdem würde ich wahrscheinlich immer noch keine Antworten bekommen. Für sie geht das Leben weiter und ich kehre noch an den Scherben zusammen. Klingt gerade vorwurfsvoll? Klingt so nach: Anna ist die Therapeutin, die mein Leben versaut hat. Klar denke ich das manches Mal. Allerdings spielen da wohl viele Faktoren mit rein, für die sie nicht direkt verantwortlich ist.

Ich hänge in Gedanken, denn irgendwie …. fangen wir anders an. Ich suchte irgendwann mal Hilfe. Diese Hilfe stellte sich als Katastrophe heraus. Ich zog mich mehr zurück, hatte aber immerhin die Diagnose Borderline. Ich brauchte vier Jahre um wieder relativ klar und deutlich zu sagen, dass es mir wirklich mies geht. Ich brauchte vier Jahre. um dieses Vertrauen zu haben. Und nun ja das Vertrauen endete für mich auf einer Geschlossenen mit irre vielen Vorwürfen mir gegenüber.

Die Aktion jährt sich demnächst zum vierten Mal. Und ich merke das ich gerade wieder bereit wäre jemand zu vertrauen. Mir z.B. eben auch einen ambulanten Therapieplatz zu suchen. Da ich aber ja weiß, dass diese vier Jahre ein mieser Turnus sind usw. (ja ich drehe mich mal wieder im Kreis).

Heute stand der erste Termin dieses Jahr bei Frau Sonnenschein an. Da ich letztes Jahr die Schiene gefahren bin, ihr weitgehendst die Antworten zu geben, die sie hören möchte, dachte ich mir, ich kann die „Taktik“ ja auch mal ändern. Denn im Endeffekt weiß ich mittlerweile, dass ich gut geübt jedem versichern kann das es mir gut geht und ich keine Suizidgedanken habe und mich davon distanzieren kann. Egal wie mies es mir geht.

Ich dachte mir, ich kann ihr klar sagen, dass ich meine Taktik nun ändere und nun mal nach dem handle, was ich in der Horrorklinik gelernt habe. So wäre die Standardantwort eben: Das wissen Sie doch! …. ja irgendwie kindisch, aber gleichzeitig auch Ausdruck davon, was in mir vorgeht.

Man/Ich lese immer wieder, dass man den Patienten dort abholen sollte, wo er eben steht. Ich war total hilflos und wusste gar nicht was passiert. Ich bekam auf meine Fragen nur: Das wissen Sie doch! zu hören. Außerdem eben Vorwürfe, dass ich das nie hätte sagen dürfen.

Vorfälle und Aussagen, die mich heute daran hindern, noch mal Hilfe zu suchen. Hätte ich wirklich anders handeln können? Ist es wirklich meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Therapeuten, Ärzte und Team sich gut fühlen? Tief in meinem innersten denke ich, ich darf über Suizidgedanken sprechen. Tief in meinem innersten denke ich, es gibt sicherlich Wege solche Situationen gemeinsam zu lösen. Aber ganz oben drauf schwimmt immer noch, ich darf nie wieder darüber sprechen, denn ich werde dafür bestraft.

Ach ja im Gespräch mit Frau Sonnenschein ging es auch um das Thema neue Wohnung. Ich meinte, dass ich teilweise auch in der Nachbarstadt schauen. Was aber dann eben ein absoluter Bruch mit meinem jetzigen Umfeld wäre. Denn dann fiele die Betreuung weg. Die Termine bei ihr wahrscheinlich auch. Wobei es kein Problem wäre eben die Institutsambulanz der Klinik weiter als behandelnde Stelle zu haben. Allerdings sagte ich zu ihr, hätte ich dann wieder Chancen auf einen stationären Akutaufenthalt. Denn zur Zeit würde mich die Klinik dort ja nicht nehmen.

Irgendwie zerbreche ich daran, bzw. fresse wieder alles in mich rein. Genau das hat an sich Ende 2005 den Stein ins Rollen gebracht. Und ich bin gerade kein Stück weiter, was ich nun mit Anna mache. Zeitweise war ich auch am Überlegen, ob ich ihr nicht einfach den Link zu dem Blog hier schicken. Sie kann sich dann ja recht schnell zusammen reimen, dass mit Anna sie gemeint ist….

Anna und ihr Einsatz für mich

Irgendwie lässt mich Anna ja nicht los. Zurzeit hänge ich irgendwo dazwischen. Gerade mal ein Moment, in dem ich nicht monsterwütend bin. Aber auch nicht in die Zukunft blickend. Es läuft vor sich hin. Aber ich vermisse sie weiterhin sehr.

Anna hatte mein Leben sehr beeinflusst. Auch mit Dingen, die ich weder verlangt, noch gefordert hatte. Die mir aber in irgendeiner Form das Genick brachen.

Nach einem meiner Klinikaufenthalte war klar, ich werde danach keine fachärztliche Anbindung haben. Niedergelassene Ärzte behandelten mich nicht mehr, meine Fachärztin wechselte während meinem Klinikaufenthalt ihren Arbeitsplatz und die PIA, die zur behandelnden Klinik gehörte, hatte meine Behandlung im Vorfeld bereits abgelehnt. Ich fragte zwar noch mal. Allerdings standen dort nur zwei Ärztinnen zur Verfügung. Und eine davon – drücken wir es so aus, wir zicken uns gegenseitig an. Die andere lehnte meine Behandlung ab. Damals mit der Aussage, sie hätte keine Plätze mehr. Da aber Patienten, die im selben Zeitraum wie ich dort stationär waren, nach einer kurzen Wartezeit von ihr behandelt wurden, denke ich mir heute meinen Teil.

Anna setzte sich dann für mich ein. Eines Tages stand sie vor mir, sie sei beim Oberarzt gewesen und habe gefragt, ob er mich ambulant behandeln würde. Er ist ja an sich nur für den stationären Bereich zuständig. Wollte er tun. Was mir von ihr ein: Sehen Sie, Frau Verstoert, ich kümmere mich auch außerhalb um Sie. So was in der Art. Was mich tierisch angekotzt hat.

Ich hatte dann eine Art Vorgespräch bei ihm. Da meinte er zu mir, er braucht für seine DBT- Schulung noch einen Schein und für den braucht er ambulante Patienten. Da er zwar alles kann, aber das halt nachweisen muss, ob ich das machen würde. Somit bat er mir eine ambulante Psychotherapie an. Da ich mittlerweile in der 2jährigen Therapeutensperre der Krankenkasse war, war mir das halbwegs recht.

Ich meinte nur zu ihm, Anna würde diese Schulung ja auch gerade machen, ob sie dann nicht mit mir Therapie machen könnte. Zu der Zeit war er halbwegs ihr Vorgesetzter. War aber klar, sie wird, nach einem kurzen Aufenthalt in der Tagesklinik, wieder unter ihm stationär arbeiten. Er meinte nur, da müsste ich sie selber fragen. Aber mir soll klar sein, wenn ich zu ihr gehe, ein hin und her gäbe es nicht.

Am nächsten Morgen fragte ich sie. Sie sagte mir so was in der Art sie darf das nicht. War für mich ok. Zwei Tage später wurde ich von der Oberärztin in der Visite runter gemacht, dass das auf keinen Fall geht und so weiter. Da war ich schon enttäuscht. Mir hätte die Aussage von Anna gereicht. Heute denke ich, da kann irgendwas nicht stimmen, denn ihr Oberarzt sagte ja. Ich habe heute X Fassungen der Sache, dass ich selbst nicht mehr weiß was ich denken soll.

Im selben Jahr ging ich eine Sache an, die mich stark beschäftigt hat, die ich aber mit meinem Arzt (besagter Oberarzt)/ Therapeut nicht besprechen wollte. Bat um eine stationäre Aufnahme. Möglichst zu Anna, da ich sie halt kannte. Er sagte, er fragt sie. Er sagte mir dann, er soll mir ausrichten, mir soll vorher klar sein, dass daraus keine ambulante Einzeltherapie wird. Da hatte ich doch gar nicht nach gefragt. Ich hab auf den Aufenthalt verzichtet.

Heute bereue ich bitter, das Angebot der Behandlung durch den Oberarzt, inklusive ambulanter Therapie angenommen zu haben. Klar wäre ich damals wahrscheinlich zu keinem Facharzt. Eine Psychotherapie wäre aufgrund der Sperre der Krankenkasse auch nicht drin gewesen. Damals dachte ich, naja er ist Oberarzt, noch dazu an einer Klinik mit Schwerpunkt Borderliner als Assistenzarzt gewesen und so weiter. Klar fühlte ich mich auch geehrt, denn er ist schon so was wie ein Gott in der Klinik. Man spricht mit Ehrfurcht von ihm. Wobei mir heute klar ist, dass das nicht alles Ehrfurcht ist.

Heute werde ich nicht mehr von ihm behandelt. Aber mir wird quasi vorgeworfen, dass ich da eine Sonderbehandlung bekommen habe und so wie sich das anhört, habe ich darum gebettelt. Etwas was nicht den Tatsachen entspricht.

Anna schaffte es auch, mich in einer Skillsgruppe der Klinik unterzubringen. Etwas was ebenfalls im Chaos endete. Und fast in einer Magersucht. Keine Ahnung, wie sie es schaffte, dass ich in die Gruppe durfte. Der leitenden Ärztin schien das nicht recht zu sein. Aber die Skillsgruppe ist generell ein Thema für sich, der ich mich an anderer Stelle widmen sollte.

 

 

Anna und der Tod

Irgendwie ist der Titel gerade passend, aus so vielen Gründen.

Als ich Anna damals kennen lernte, war der Auslöser für den Klinikaufenthalt an sich massive Suizidgedanken. Meine Mutter war ein paar Wochen vorher gestorben. Was mich sehr belastet hat. U.a. auch, weil sie lange krank war und für alle aber eher plötzlich starb. Für mich war es nicht so plötzlich. Aber das ganze drumherum. Inklusive diverser indirekter Vorwürfe, dass sie ja nur wegen mir so krank war. Das sie nur wegen mir in einem Hospiz war. Und so weiter. Und ich schon Monate vor ihrem Tod an sich darüber nachdachte, wenn sie geht, gehe ich auch. Was im Endeffekt auch halbwegs Auslöser war, dass es überhaupt eine Diagnose gab.

Ich kam also in das Krankenhaus, wegen meiner Suizidgedanken- gekoppelt mit der Trauer um meine Mutter. Ich, ein eher misstrauischer Mensch, der zugleich auch absolut naiv ist. Aber an sich wenig von mir Preis gab. Hinzu kamen die schlechten Erfahrungen von meinem Psychiatrieerstkontakt.

Ich durfte während des Aufenthalts auch einen Aufsatz schreiben zum Thema, was ich meine Mutter gerne noch fragen würde. Ergebnis des Aufsatz war, ich kann es nicht ändern. Im Endeffekt Annas Aussage. An der ich zerbrach und ihr gegenüber das Thema nie wieder ansprach.

Schnell war klar, ich habe Suizidgedanken. Die waren dann auch Thema beim zweiten Aufenthalt. Zu dem war ich ja an sich zur Therapie. Anna kannte ich. Anna vertraute ich halbwegs. Anna war nett. Anna nahm sich Zeit. Rückblickend betrachtet, hat sie enorm viel Zeit bei mir verbracht.

Ich wusste damals nicht, wie ein Aufenthalt in der stationären Psychiatrie abläuft. Aber es dauerte nicht lange, bis sie mir vorwarf, sie würde ja mehr Zeit bei mir, als bei anderen zubringen. Bzw. andere bekommen nicht so viele Gespräche. Woher hätte ich das wissen sollen? Ich ging ja davon aus, das ist ein Krankenhaus, die machen das schon.

Den Aufenthalt durfte ich ebenfalls mit einem Aufsatz beginnen. Thema war, warum ich sterben möchte. Ich brachte es damals auf um die 14 Seiten- handschriftlich. In den Wochen vor dem Aufenthalt dachte ich generell viel über den Tod nach. Das nicht mehr Leben wollen. Hatte in dem Zusammenhang dann auch eine Pro- und Kontraliste angefangen. Auf der Liste für den Tod standen damals über 30 Gründe. Aber ich fand nur 3 oder so, die dagegen sprachen. Beides lag Anna damals vor.

Ich vermute, Anna hat alles gelesen. Zumindest steht in dem Aufsatz eine Frage von ihr. Darüber gesprochen haben wir nie. Auch hier dachte ich, wird schon seinen Grund haben. Konnte es mir bei folgenden Aufenthalten auch nicht verkneifen, eben zu „erwähnen“ (ok sticheln trifft es eher), dass man mit mir darüber nicht gesprochen hat.

Während einer meiner „Fragen“, warum das nie besprochen wurde, schallte mir ein, wir hätten das besprochen entgegen. Ich würde das weiter abstreiten. Und ich würde mir wünschen, wir hätten darüber gesprochen. Würde manches vielleicht erleichtern. U.a. auch, dass von allen Seiten natürlich davon ausgegangen wird, das Thema ist ausführlich behandelt worden.

Ich merkte bei dem zweiten Aufenthalt schon, da ist irgendwas anders. Die Sache wurde mir nicht gerade erleichtert. Ich darf ruhig den kleinen Finger nehmen und so weiter. Nach dem Aufenthalt war mein komplettes damaliges ambulantes Netz im Urlaub und Anna bot mir Telefonate an. Die ich ablehnte. Einfach weil es mir peinlich war, glaubte ich damals. Sie drängte sie mir dann regelrecht auf. Und ich lebte nur für diese Telefonate. Die waren heilig. Mehr als heilig.

Als meine ambulante Therapeutin aus dem Urlaub wieder da war, wusste ich, meine Gefühle für Anna sind anders. Wusste auch, das muss ich in der Therapie ansprechen. Schämte mich. Sagte den Termin ab. Den nächsten dann auch. Was meine ambulante Therapeutin nur mit einem, sie streicht mich, denn sie hat ja wegen mir und auf meinen Wunsch eine festen Termin gemacht. Was nicht den Tatsachen entsprach. Ich soll mich melden, wenn ich wieder einen Termin will.

Ich musste mich melden, weil die Krankenkassenkarte noch nicht eingelesen war. Da sagte ich ihr auch (ich war nur zum Karte einlesen dort), dass ich ihre Art nicht gut fand. Daraufhin gab es einen Termin zur Klärung. Der ziemlich mies verlief.

Mich beschäftigt Anna weiterhin sehr. Und so ausführlich und doch nicht zu sehr ins Detail gehend, habe ich darüber auch noch nie geschrieben. Ich wünschte mir so sehr, sie hätte unter anderem mal über Suizidalität mit mir gesprochen. So richtig. Immerhin hatte sie mir damals nicht verboten darüber zu sprechen. Das hatten vorher andere. Sie war der erste Mensch der mir sagte, ich darf über Suizidalität sprechen. Sie ist leider auch der einzige Mensch aus dem Bereich der Psychiatrie, der das je zu mir gesagt hat.

Ich wünsche mir so sehr zurück, wie ich Anna damals erlebt habe. Ihre Ruhe, die sie ausstrahlte. Das Gefühl, ernst genommen zu werden. Das Gefühl, reden zu dürfen. Und mich sicher zu fühlen.

Anna

Irgendwie versuche ich gerade meine Lieblingsschleife zu bearbeiten. Schleifen sind bei mir, Erinnerungen etc., die sich um ein Ereignis oder eine Person drehen. Lange gab es zwei Standardschleifen: Die Anna- Schleife und die Schleife letzter Klinikaufenthalt. Mittlerweile vermischt sich alles zu einer Schleife und das Schlimme daran ist, ich bekomme diese Schleife nicht zerlegt und erst Recht nicht aus meinem Kopf.

Den Namen habe ich natürlich geändert. Zum Schutz aller Beteiligten? Oder um selber keinen Ärger zu bekommen? Wobei die Story im Endeffekt, in allen möglich Facetten, sehr viele aus meinem professionellen Umfeld, kennen.

Anna dürfte bei mir wohl das Synonym für die fehlende Nähe- Distanz- Konstellation sein. Nicht die erste Person, bei der das Problem auftritt und leider auch nicht die Letzte. Aber die intensivste.

Anna, die ich natürlich sonst mit Frau und Nachname anspreche, auch selber an sich nicht dazu neige, von ihr als DU zu denken…. aber irgendwie finde ich es gerade passender, weil das persönliche Anna auch irgendwie sehr viel zeigt.

Als ich das erste Mal eine psychiatrische Station erlebt habe (noch oder während der Zeit dessen, was man wohl Diagnosestellung nennt), war eine Frau im Team, zu der ich eine relativ enge Beziehung aufbauen konnte. Sie hörte zu, ich schätzt sie und so weiter. Nur doof, dass sie nicht Psychotherapeutin war, noch dazu ihre Ausbildung gerade beendet hatte (ich also eher der erste schwierige Fall war) und noch dazu die Klinik damals nicht auf Borderliner eingerichtet war. Die Beziehung endete im Chaos. Mit einem Kontaktverbot, welches uns Beiden gegenüber ausgesprochen wurde.

Heute weiß ich, dass wir wohl Thema im Team waren, weil sie einfach überfordert war und man uns eben mehr oder weniger getrennt hatte, um sie zu schützen. Schade das man mir gegenüber das damals nicht kommuniziert hat. Mir wurde damals gesagt, ich rede nicht genug. So suchte ich mir eben jemand, dem ich mich anvertrauen konnte. Noch dazu war sie eine der Personen die offiziell als Bezugsperson genannt waren. Und nun trennte man uns? Man sagte mir, dass sie nicht für mich zuständig sei usw. Ich verstand damals die Welt nicht mehr. Mal davon abgesehen, dass Zeitgleich noch andere Dinge schief liefen. Ich hab auf alle Fälle unter dem Kontaktverbot mehr als gelitten. Auch lange, nach dem ich nicht mehr dort war. Habe jahrelang versucht, die Station auf der sie tätig war, zu meiden.

Über zwei Jahre später war der erste vollstationäre Aufenthalt fällig. Mir war eh alles egal, ich wusste nur, daheim überlebe ich nicht mehr lange. Bat meine damalige Betreuerin mich in eine Klinik zu bringen, egal wohin. Tat sie dann auch.

Dort lernte ich Anna kennen. Heute denke ich oft, LEIDER. Erst war ich vorsichtig. Vertraute nicht und so weiter. Redete kaum, heulte aber viel. Vor allem in ihrem Beisein, aber wenig vor dem restlichen Team. Eines der erste Dinge die ich erzählte, war die Story von meinen ersten Erfahrungen mit Psychiatrie. Damals war mir noch nicht klar, dass ich ein Nähe- Distanz- Problem habe. Heute denke ich, an Hand meiner Erzählung, wäre das jedem ausgebildetem Therapeuten aufgefallen. Außerdem erzählte ich halt, welche Probleme ich mit der Organisation der Station damals hatte, weil die eben nicht auf Borderline eingerichtet waren und ich mich nur noch als Versuchskaninchen fühlte. Etwas was ich nie wieder sein wollte. Heute denke ich, spätestens hier hätte Anna Stop sagen müssen.

Anna wurde mir quasi als Therapeutin vorgestellt. Nur war sie noch in der Ausbildung. Was ein generelles Problem hier an der Klinik ist. Ich wusste damals schon mehr über Borderline, DBT und Skills als sie. Anna, die gerade in der DBT- Schulung war.

Für mich zählte damals Ausbildung weniger. Ich musste mit dem Menschen auskommen. Das solche Gedankengänge in die Hose gehen können, weiß ich leider heute auch und es tut verdammt weh. Erst gute drei Jahre nach dem Erstkontakt wurde mir bewusst, dass sie noch in der Ausbildung ist.

Ich hab sie damals schätzen gelernt. Sie war da. Sie hat mir zugehört. Sie hat mich ernst genommen (auch wenn sie oftmals nichts ändern konnte). Sie hat sich Zeit genommen. Alles Sachen die ich vorher nicht wirklich kannte. Trotzdem hielt ich Abstand.

Vier Wochen später war ich wieder in der Klinik. Diesmal abgesprochen zur Therapie. Damals wurde mir zum ersten Mal unbewusst klar, da ist mehr als sein dürfte. Was ich ihr auch irgendwie mitteilte. So was in der Art wie, sie reicht mir den kleinen Finger und ich würde gerne den ganzen Arm mit dem Menschen dran nehmen. Mir aber klar sei, dass ich das nicht darf. Doch das darf ich.

Ich möchte hier einen Cut machen für Heute. Ich vermisse Anna schrecklich. Die Gedanken drehen sich permanent um sie und mich. Um unsere Geschichte, wenn man es so nennen darf. Und gleichzeitig wünschte ich mir, ich wäre ihr nie begegnet.