Zehn Jahre, zehn verdammte Jahre – Teil 1

Ich dachte eigentlich, damit hätte ich abgeschlossen. Ein Ding das erledigt ist. Aus meinem Gedächtnis und vor allem aus meiner Seele verschwunden. Oder zumindest nicht mehr so verdammt weh tut. Leider ist dem nicht so. Ob es mal wieder an einer Erkältung liegt, die mich nun seit über einen Monat die meiste Zeit aus dem Verkehr gezogen hat? Oder das ganze drumherum gerade?

Vor genau 10 Jahren war mein letzter Arbeitstag. Damals hatte ich nicht geahnt, dass ich zum letzten Mal hinter der Theke stehe. Heute wundert es mich, wie ich so lange durch gehalten habe.

Anfang 2005 fing ich eine neue Stelle an. War vorher länger arbeitslos gewesen und musste die Stelle an sich nehmen. Schon am Probearbeitstag sagte man mir, dass ich ein schlechter Mensch bin, weil ich das falsche Sternzeichen habe. Das zog sich an sich bis zum Schluss. Andere Dinge kamen hinzu, je nach Laune der Kolleginnen.

In der Woche vor meinem letzten Arbeitstag war es eher eigenartig. Die Kollegin, die mir an sich zu arbeiten sollte (also Sachen richten etc pp), machte Dinge, für die ich später runter geputzt wurde. Ich habe sie mehrfach gebeten das zu lassen.

Am Tag vor meinem letzten Arbeitstag – sie fing wieder damit an, ich bat sie weiter es zu lassen. Ich sprach die Erstverkäuferin an, wie ich mich verhalten kann/soll. Wies ausdrücklich daraufhin, dass sie die Frau bitte nicht ansprechen soll. Sie tat es doch.

Es kam, wie es kommen musste, ich wurde wieder runter gemacht, weil da Arbeiten gemacht worden sind, die nicht hätten gemacht werden sollen. Ich sagte nur knapp, ich war das nicht. Da ging die Tür zur Küche auf und besagte Dame schoss raus und putzte mich mitten im Laden vor Kundschaft runter.

Eine einzige Kollegin sagte später zu mir, dass sie das nicht gut fand. Ich habe mehrfach versucht mit besagter Kollegin das Gespräch zu suchen, was in bitteren Beleidigungen ihrerseits anfing und nicht fortgeführt wurde. Die Kollegin wollte auch nicht vermitteln, bzw. hat sie es versucht, kam aber auch nicht weiter.

Ich bin Abends zu meinem Auto gelaufen. Heulend. Dachte nur daran, dass Mama auf mich wartet. Dachte konstant darüber nach, wie toll es wäre, mit meinem Auto gegen einen Brückenpfeiler zu fahren. Dachte nur daran, wie schade es um mein Auto wäre. War kurz davor meinen Vater anzurufen, dass er mich holt. Wusste aber auch, dass er sagen würde, ich soll den Bus nehmen.

Saß heulend bei meiner Mutter. Erzählte ihr was los war. Fragte sie immer wieder, warum Menschen so was machen. Mein Vater kam dazu und meinte nur, ich solle mich nicht so anstellen.

Keine Ahnung wie ich den Abend rum bekommen habe. Wäre der nächste Tag nicht ein Samstag gewesen, hätte ich mich krank gemeldet. Aber wie wäre ich zu einer Krankmeldung gekommen? Außerdem waren wir knapp besetzt. Ich kann doch meine Kolleginnen nicht hängen lassen.

Selbstverletzung. Heulen. Zur Arbeit kämpfen.

Der Tag war die Hölle. Ich war auf die Kollegin an sich Samstags angewiesen und sie tat keinen Handschlag. Lachte mich aus. Die Kolleginnen halfen auch nicht. Und ich hatte die ganze Zeit Sorge, dass die Wunden doch durch den Kittel durch bluten. Wie hätte ich das erklären sollen?

Heute weiß ich, ich hätte es nie so weit kommen lassen dürfen. Seit Wochen verletzte ich mich Donnerstag, spätestens Freitag selbst, um das Freitags- und Samstagsgeschäft überstehen zu können. Versorgte noch dazu eben meine Mutter. Ich hatte zwischenzeitlich mal damit geliebäugelt auf 30 Stunden runter zu gehen, um mehr Zeit für meine Mutter (und für mich) zu haben. Nur von dem Gehalt hätte ich nicht leben können. Als ich das im Familienkreis ansprach, wurde ich als faul hin gestellt. Dabei ging es um läppischen 150-200 Euro im Monat.

Faszinierend an dem Datum ist auch noch, dass Anna Geburtstag hat. Anna, von der ich dachte, ich habe endlich Abstand. Habe ich nicht.

Und gerade eh alles richtig mies läuft. Das Thema Therapie hat sich vor erst erledigt, weil die Therapie vom Gutachter der Krankenkasse abgelehnt wurde. Das Soziale Kompetenztraining, welches letzte Woche begonnen hat, wird wahrscheinlich auch wieder aufgelöst, mangels Teilnehmer. Meine Betreuerin möchte mich nicht sehen, weil ich ja krank bin. Mir wäre es ganz recht gewesen, wenn sie morgen mit zur Wunderärztin gegangen wäre. U.a. um zu klären wer was wie im Notfall macht. Wäre noch dazu die letzte Möglichkeit, weil Wunderärztin nur Donnerstags Nachmittags Sprechstunde hat und ich die Morgentermine nicht schaffe und meine Betreuerin nun eine Klientin hat, die absolut nur Donnerstags Nachmittags kann.

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Monatsrückblick Februar 2015

Ich habe beschlossen, dass ein Monatsrückblick vielleicht ganz sinnvoll ist. Vielleicht auch, weil der Februar wirklich heftig war?

Der Februar war eindeutig durch PMS geprägt. Wobei PMS sicherlich ein weitreichender Begriff ist. Alle paar Monate bin ich vor, während und/oder nach meiner Periode nur angespannt, gereizt, explosiv, zerstörerisch und depressiv. Diesen Februar hatte ich gute drei Wochen Spaß daran.

Auslöser war sicherlich u.a. der Versuch mit der Klinik eine Behandlungsvereinbarung aufzusetzen. Das zog mich bereits im Januar ziemlich runter. Viele Gedanken dazu, wie es gewesen wäre wenn und so weiter. Ich vieles einfach immer noch nicht verstehe.

Geprägt war alles auch noch durch Selbstzweifel. Was hätte ich besser machen können? Was muss ich sagen, damit ich Hilfe bekomme?

Der Fragebogen für die Therapeutin gab mir dann wohl den Rest. Ich schäme mich dafür, dass ich nichts wirklich positives über meine Eltern schreiben konnte. Generell zu meinem Leben? Was sicherlich auch aufgrund meiner Gefühlslage geschehen ist. Ich in dem Moment generell alles kritisch gesehen habe?

Der Versuch bei Wunderärztin Hilfe zu finden. Ich habe mittlerweile fest gestellt, dass es schwer ist zu sagen Hilf mir, wenn ich ausklammern muss, dass ich am liebsten tot wäre. Was darf ich sagen und was nicht? Wie kann es etwas formulieren, ohne das etwas für mich schlimmes geschieht?

Mir auch bewusst ist, wie schwer es für Behandler ist, mich einzuschätzen, weil klar ist, dass ich zu viel verschweige. Aber wie soll ich es ändern? Wäre ich die letzten fünf Jahre zu dem Thema Suizidalität immer ehrlich gewesen, hätte ich mehr Zeit in der Psychiatrie zugebracht als zu Hause.

Ich habe auch fest gestellt, dass es nichts gibt, wofür ich dankbar bin, dass man mich am „Leben erhalten“ hat. Die was wäre wenn Schleife – hätte ich damals meinen Mund gehalten, dann wäre ich zwar jetzt eventuell/wahrscheinlich tot. Aber es wäre mir auch viel erspart geblieben.

Ich habe außerdem fest gestellt, dass ich nichts weiß, wofür sich Leben noch lohnt. Ich habe keinen Job. In meinen erlernten Beruf kann ich nicht zurück. Meine Rente ist zu niedrig um davon auf Dauer leben zu können. Die ergänzenden Sozialleistungen gerade so hoch, dass sich Arbeiten rein logisch gesehen nicht wirklich lohnen würde. Ich aber auch weiß, ich würde arbeiten gar nicht mehr hinbekommen.

Frau Sonnenschein meinte letzte Woche, dass Handlungen eben auch Konsequenzen bringen. Oder man eben für seine Handlungen auch die Konsequenzen tragen muss. Ich frage mich, warum ich dann für Handlungen, die ich nicht begannen habe, die Konsequenzen tragen muss? Ich habe den Oberarzt nie ein Schwein genannt, aber muss die Konsequenzen dafür tragen? Ich habe eine sachliche Frage gestellt und muss mich als paranoid beschimpfen lassen?

Frau Sonnenschein auch sagte, ich habe ja immer dazu gestanden, dass ich eine Suizidankündigung gemacht habe. Ja habe ich. Im Arztbericht steht aber, ich hätte das abgestritten?

Frau Sonnenschein erklärte mir, dass ich doch weiß, wenn Fremd- oder Eigengefährdung vorliegt, dann wird eben auf eine Geschlossene verlegt. Nur doof, dass ich auch weiß, dass in der Klinik eben auch anders gehandelt wird. Nur doof, dass es im Vorfeld mit mir andere Absprachen gab. Wozu gibt es Absprachen, wenn sich andere nicht daran halten brauchen, aber ich schon?

Ich verstehe nicht, warum man mir auf der einen Seite sagt, ich soll formulieren was ich brauche, bzw. wie man mit mir umgehen soll/kann, wenn es nachher doch nur darum geht, aus einer handvoll Angeboten das auszuwählen, was am wenigsten schlimm ist? Bzw. ich jetzt schon weiß, dass besagter Oberarzt doch wieder an der Behandlung beteiligt sein wird und er generell die Schiene fährt: Wir breiten kein Behandlungsangebot vor Ihnen aus und Sie suchen aus was sie wollen und was nicht. Aber nun soll ich genau das machen? Bekomme ich gerade nicht hin. Den Gedankengang ansprechen brauche ich wohl auch nicht mehr, weil es anstrengend ist, wenn ich etwas hinterfrage?

Immerhin habe ich auch halbwegs positive Erfahrungen machen können.

Meine Chefin bei meinem Ehrenamt scheint gerade von mir angetan zu sein. Mal sehen wie lange es anhält.

Und der Kontakt mit der Therapeutin. Die mir offen und ehrlich gesagt hat, dass sie mich nicht behandeln kann. Das erste Mal in fast 10 Jahren Borderline das mir jemand offen sagt, er schafft das nicht. Ohne das ich mich schlecht damit fühle! Hochachtung an die Frau.

Und schlussendlich bin ich letzte Woche aktiver in die Wohnungssuche eingestiegen und habe Flyer aufgehängt. Der erste Anruf kam als der erste Zettel noch keine 30 Minuten hing. Mit der Frage, ob ich auch Sex will. Nein will ich nicht.

Zwischenzeitlich gab es einen zweiten Anruf und einen dritten. Beides Mal die selbe Person, denke ich. Die wollte wissen, ob ich eine Wohnung anbieten kann. Nein kann ich nicht.

Wenn Weihnachten naht

War ja ne nette Idee mit meinem Plan jedes Wochenende zu bloggen. Sorry.

Ich war ein wenig im Stress. Einmal weil mein Vater einen runden Geburtstag hatte. An einem Wochenende und auch wenn er keine Gäste einladen wollte, waren wir morgens frühstücken und Abends Essen und in seiner Stammkneipe. Was man nicht alles macht. Ab und an würde ich mir wünschen, man würde das auch sehen. Ich bin weder Frühaufsteher, noch mag ich Kneipenbesuche, noch einen betrunkenen Vater. Aber er war meinem Bruder so dankbar, weil der den Tag finanziert hat + Fresskorb. Da kann ich nicht mithalten. Aber nun ja, was solls.

An dem Wochenende war auch ein Freund zu Besuch. Also nach den Feierlichkeiten. Der Abend mit ihm war super toll, aber eben gepaart mit Vaters Geburtstag anstrengend.

Wobei ich mir gerade auch nicht wirklich klar darüber bin, wie ich die Beziehung zu diesem Freund definieren soll. Ich mag ihn, vermisse ihn auch. Will ich mehr? An sich ist er nicht mein Typ, hat auch Verhaltensweisen, die nicht meine Welt sind. Aber ich fühle mich sicher. Allerdings weiß ich mit Sicherheit, dass ich nicht bereit bin mit einem Mann zu schlafen. Wäre also unfair ihm gegenüber.

Ansonsten bin ich ein wenig im Weihnachtsstress. Da ich ja im Oktober und November so lange krank war, hinke ich hinterher. Wobei meine Familie ja eh nichts mehr bekommt, die haben einen dicken Adventskalender bekommen. Aber so Kleinigkeiten für Betreuerin, Frau Sonnenschein, Wunderärztin usw. Also habe ich noch ein paar stressige Tage vor mir.

Psychisch ging es mir relativ gut. Momentan habe ich eher einen Durchhänger. Keine Ahnung warum. Weil Weihnachten naht? Weil ich gerade mal wieder merke, wie alleine ich bin? Weil es mir irgendwie vor Weihnachten graut? Heilig Abend Mittagessen bei mir. Würstchen und Kartoffelsalat – weil es meine Familie will, ich hasse Würstchen und Kartoffelsalat. Was für mich auch heißt, ich muss früh aufstehen. Erster Feiertag gehen wir Mittag Essen. Also noch mal früh aufstehen.

Die Gedanken kreise nun natürlich wieder um Weihnachten. Um die letzten Lebensmonate meiner Mutter. Um Erinnerung an alte Weihnachtsfeste, die teilweise so schlimm waren, dass ich heulend das Elternhaus verlassen habe und heulend in meiner Wohnung saß und mir damals nur das Leben nicht genommen habe, weil ich dachte, ich brauche ein Testament. Heute denke ich oft, warum habe ich Rücksicht genommen? Warum wollte ich meiner Mutter das nicht antun? Heute denke ich, das größte Problem meiner Familie wäre gewesen, dass ihr Kind sich an Weihnachten das Leben genommen hat. Welch ungünstiger Zeitpunkt.

Ansonsten geht hier gerade alles kaputt, was sicherlich auch zu meiner schlechten Laune beiträgt. Mein Trockner, gerade mal 4 Jahre alt und ein Markengerät „trocknet“ nur noch kalt – sprich der läuft über Stunden und ich hole dann die klatschnasse Wäsche raus. Zum Glück ist mein Bad groß, der Wäscheständer stört trotzdem.

Warmes Wasser habe ich auch keines mehr in der Küche. Das Gerät dafür habe ich vor 5 Jahren ersetzen müssen. Durch einen Handwerker. Der Spaß hat mich damals 300 Euro gekostet. Wobei ich vermute, der ist nicht richtig angeschlossen worden hier oben. Aber wie beweise ich das? Nun hab ich jemand gebeten, da mal nach zu sehen und das klappt irgendwie gerade nicht. Und es nervt, Spülwasser entweder mit dem Wasserkocher heiß zu machen oder im Bad in einem kleinen Eimer zu holen.

Ich stopfe seit Jahren nur irgendwelche Löcher. Vor 5 Jahren das Warmwassergerät und mein Herd. Im Jahr drauf den Trockner. Dieses Jahr neue Waschmaschine. Letztes Jahr der Umzug und an sich suche ich weiter eine Wohnung. Mein Kühlschrank wird es auch nicht mehr lange machen.

Ich bin so weit mich zu fragen, ob ich es mir finanziell noch leisten kann, krank zu sein. Von einem Einkommen, welches mit Sozialleistungen auf Hartz 4 Niveau ist, ist das auf Dauer nicht möglich. Da Hartz 4 an sich ja auch keine Dauerleistungen sein soll, ist es eben nur für das Nötigste ausreichend.

Das Gedankenkarussell dreht sich weiter

Irgendwie habe ich es nicht geschafft, aus dem Karussell aus zusteigen. Es dreht sich munter vor sich hin.

Diagnostik haben wir allerdings gemacht. Nach dem wir über Kinderwunsch gesprochen haben. Wunderärztin hat davon angefangen… keine Ahnung. Sie ist der Meinung, Singles können invitro Befruchtung machen lassen. Wie ich mittlerweile weiß, geht das in Deutschland nicht wirklich.

Bei den Einzelinterviews zu den einzelnen Persönlichkeitsstörungen wollte ich dann mit Borderline anfangen. Hat sie auch mitgemacht. Sie stellte die ersten beiden Fragen, die ich prompt verneinte. Ich spottete schon. Sie dann nur so, ich soll sie nicht schwach machen, das wäre ja nun was, wenn nun durch die Einzelinterviews heraus kommt, dass ich gar kein Borderline habe. Da würde ja jemand drei Türen weiter ganz schön am Rädchen drehen.

Allerdings sagte sie mir auch, wie sie mich zu einem der beiden Punkte erlebte und ich musste ihr zustimmen. Ich nahm aber dann eh fast alle anderen Punkte mit und bin somit eindeutig Borderlinerin. Sicherlich kommt da aber noch was dazu.

Ich frage mich allerdings, wie es jemand mit Selbstverletzendem Verhalten schafft, keine Borderline-Diagnose zu bekommen. In dem Einzelinterview gab es etwa 15 Fragen. 5 müssen mindestens mit Ja beantwortet werden, damit die Diagnose Borderline ist. Alleine 3-4 Fragen drehen sich im Endeffekt um Selbstverletzung. Und die anderen Fragen – ich halte es für möglich, dass auch „Normalos“ die eine oder andere Frage mit Ja beantworten würden.

Ansonsten ist mal wieder alles gefühlsmäßig einfach doof. Noch dazu naht mein Geburtstag und mein Vater verplant den mal wieder nach seinen Wünschen und mich kotzt das tierisch an. Bruderherz ist eventuell im Urlaub, was ich ihm gönne und das so richtig aus ganzem Herzen. Und Vatern erklärt mich schon, dass er aber auf alle Fälle mit mir Essen gehen will. Erklärte nun auch schon mehrfach, dass ich ja eventuell ein Cordon Bleu haben will – natürlich in seinem Stammrestaurant, in dem wir Weihnachten und Ostern schon waren. Und ich da zu meinem Geburtstag gerade mal keine Lust zu habe, weil man da nur mit dem Bus hinkommt, der noch dazu zu den Zeiten maximal 2x die Stunde fährt. Und Vatern würde ja nicht mit dem Auto fahren, weil er dann ja nichts trinken kann. Und ich hasse die Trinkerei! Dann jammert er nur rum, ich würde ihm doch sein Bierchen wohl gönnen.

Ich sehe kommen, ich werde daran noch sehr meine Freude haben. Und irgendwie habe ich gerade auch keine Lust habe, da nun eine auf alle angepasste Planung zu machen. Das mache ich nämlich sonst – so das ich keinen Ärger damit habe.

Der Mann der einzigen leiblichen Schwester meiner Mutter ist verstorben. Die wohnen ziemlich weit weg und ich habe zu ihm nie wirklich einen Bezug gehabt. Ok zu ihr auch nicht wirklich, aber sie ist eben die letzte leibliche Angehörige. Zur Beerdigung mag ich nicht gehen. An sich lege ich darauf Wert, jemand den letzten Respekt zu zeigen – aber ich mochte ihn nicht und halte das nicht für nötig. Allerdings würde ich ja evt. meiner Tante zu Liebe? Aber Vatern wird fahren und macht da nun halbwegs einen Monsterwirbel drum. Bruderherz soll mit, der will aber auch nicht. Allerdings aus anderen Gründen.

Nun meldet sich meine Tante wohl nicht wegen dem Beerdigungstermin und mein Vater ist der Meinung, man will ihn nicht dabei haben. Warum kann er nicht respektieren, wenn man meinen Onkel evt. im allerengsten Familienkreis bestatten möchte? Noch dazu soll es eine Feuerbestattung sein, die wohnen eher auf dem Dorf, da wird sooft auch nicht verbrannt. Das Theater um das Thema nervt so langsam.

Vater will auf keinen Fall bei meiner Tante übernachten. Was ich in der Situation auch nicht wollen würde. Nun plant er evt. mit der Bahn eine Reise in die nächste größere Stadt zu machen für drei Tage oder so. Aber meine Tante darf nicht wissen, dass er da ein Hotelzimmer hat. Was ich nun kindisch finde. Aber nun ja. In dem Zusammenhang erzählte er, dass sie uns beiden Kinder mal zur Tante gebracht haben in den Sommerferien. Kann ich mich dunkel dran erinnern. Sie sind dann zu zweit verreist. Und sie waren wohl mehrere Tage in der besagten größeren Stadt, aber die Tante hätte das nicht wissen dürfen. Und mich hat es unheimlich verletzt, wie man uns quasi abgeschoben hat. Denn auch uns wurde erzählt, sie seien sonst wo gewesen.

Wir waren ganzen zweimal mit unseren Eltern alleine im Urlaub. Ansonsten wurden wir zu Kinderfreizeiten geschickt. Ich mit der Kirche, mein Bruder übers Jugendamt. Mein Bruder kam schon beim ersten Mal nur weinend heim. Heute frage ich mich, warum sie ihn ein zweites Mal mit geschickt hat? Ansonsten waren wir eben bei ihrer Stiefmutter oder ihrer Halbschwester. War sicherlich schön. Aber heute fühle ich mich nur abgeschoben.

Aber immerhin gehe ich mir nächste Woche eine Wohnung ansehen. Hier in der Nähe. Superschön, zumindest auf den Bildern. Zwei Zimmer ohne Dachschrägen!, Badezimmer mit Badewanne, Küche, 2 Balkone und Keller. Allerdings im dritten Stock. Aber ansehen würde ich sie schon ganz gerne mal.

Psychischer Rücken

Auf mein Tagebuch kann ich immer noch nicht zugreifen und bekomme scheinbar auch keine Antwort, was ich irgendwie verstoerend finde. Aber noch warte ich halt mal ab.

Ich habe mit meiner Betreuerin darüber gesprochen, was ich da gelesen habe. Was mich schon beschäftigt hat und wohl immer noch beschäftigt. Mich beschäftigt aber auch die Aussage von Wunderärztin, dass die eine „Erkrankung“ schon in den ersten 6 Lebensmonaten ihren Anfang findet. Bisher dachte ich die Geburt meines Bruders brachte den Stein ins Rollen? Meine Betreuerin meinte zu mir, vielleicht hatte meine Mutter Wochenbettdepressionen. Papa brauche ich danach nicht fragen. Nun grüble ich, ob seine Schwester was bemerkt hat? Oder ob meine Patentante was weiß?

Ich helfe ja seit ein paar Monate ehrenamtlich. Ok es ist mittlerweile sicherlich ein Jahr. Ich habe auch endlich einen Ausweis und bin darauf total stolz. Allerdings verstoert mich vieles an der Tätigkeit. Es ist teilweise ein einzige Chaos. Teilweise werden sich widersprechende Aussagen innerhalb von 30 Minuten gemacht. Ich kann damit nicht umgehen.

Nun steht die Tage eine größere Aktion in dem Rahmen an. Bisher war ich immer die, die außer den „Chefs“ quasi zum Schluss da war und das gemacht hat, was sonst keiner machen wollte. Kein Problem für mich. Allerdings eben mit viel körperlicher Arbeit, die an sich für eine Frau zu schwer ist, verbunden. Nun ist die Aktion die Tage wesentlich größer. Mir graute es davor wieder alleine da zu stehen. Sagte nun mehrfach klar, dass sie sich darum kümmern müssen, dass da noch ein paar Leute mehr zu da sind. Ja ja weiß man alles usw. Wusste man auch bei den anderen Aktionen. Da hieß es dann, ach da kamen so viele plötzlich nicht. So viele haben sich gar nicht gemeldet usw. Irgendwie alles komisch.

Nun habe ich seit dem letzten Wochenende wieder so Rückenschmerzen, dass ich mich kaum bewegen kann. Die Arbeit kann ich also nicht machen. Hatte nun Sorge, wie ich das am besten vermittle. Rief dann die Tage an und sagte es eben und das ich eben im kleinen Rahmen helfen, aber die Abschlussarbeit auf keinen Fall machen kann. Nun bin ich gespannt.

Ich überlege aber nun, ob das die körperliche Reaktion auf meine Sorge, dass ich da wieder alleine da stehe, ist. Denn ich habe sogar davon geträumt, wie alle verschwunden sind und ich wieder mit den „Chefs“ alleine da stehe.

Dann nehme ich ja mal wieder das Antidepressiva, welches eben auch zur Rauchentwöhnung dienen soll. Hatte ich zwischenzeitlich wegen der Nebenwirkungen abgesetzt und doch wieder angesetzt. Und nun gerade geht es mir damit nicht gut. Passend eben zur Monatsblutung.

Bei Ebay verkaufe ich zur Zeit auch ein paar Sachen. Die meisten Sachen gehen für einen Euro weg. Ich sage mir halt, mindestens Platz. Aber Bücherkisten mit über 20 Büchern für einen Euro, da schlucke ich dann schon. Egal, Hauptsache weg.

Manche Punkte ärgern mich trotzdem. Ich bereichere mich nicht an den Versandkosten. So nehme ich für eine Büchersendung, die 1 Euro Porto kostet 1,30 Euro. Ich muss die Versandtasche kaufen, verpacke das Buch in einem Gefrierbeutel, die Sendung wird mit Musterbeutelklemmen verschlossen, die ich ebenfalls kaufen muss, wird noch nett mit Aufklebern verziert (ok das ist mein Bier)…. ich finde da 30 Euro nun wirklich nicht zu viel. Aber meine Bewertungen bei den Versandkosten sind nicht die Besten.

Wobei das nun natürlich nicht nur die Bewertungen für die Büchersendungen sind. Ich habe auch andere Dinge verkauft, wie eben Bücherkisten mit bis zu 26 Büchern. Da klebt teilweise eine halbe Rolle Klebeband drauf. Eine Rolle kostet 1 Euro. Ich verlange einen Aufschlag von um die 50 Cent. Dafür ist Polstermaterial im Paket, das Paket muss besorgt, wenn auch nicht gekauft werden, das Versandetikett muss gedruckt werden, ich schleppe die Pakete aus dem 4. Stock runter und so weiter. Und meine Pakete sind wirklich sehr ordentlich verpackt.

Warum erwartet eigentlich jeder, dass Privatverkäufer kostenlos versenden. Wenn ich nun mal rechne. Bücherkiste mit 26 Büchern. Verkaufspreis 1 Euro. Da gehen die Ebaygebühren von 10% noch runter. Meine Bank nimmt für jede Buchung Geld. Das Versandetikett druckt sich auch nicht allein. Stromkosten habe ich auch. der Karton muss besorgt werden. Das Klebeband muss bezahlt werden. Ich lege bei den Paketen immer noch was dazu. Klar das müsste ich nicht, aber ich finde dann kann man auch fair bewerten. Also wenn ich nun sagen wir eben weiter Bücherkisten mit um die 20 Bücher versteigere. Keine Versandkosten nehme. Dann lege ich noch drauf :-(. Es ärgert mich einfach.

Vergangenes – Vergessenes – Mit dem Damals leben

Seit einer gefühlten Ewigkeit bin ich in einem Borderline-Forum angemeldet. Wirklich aktiv bin ich schon länger nicht mehr, weil mir einige Handlungen der damaligen Forenleitung nicht zusagten. Allerdings habe ich dort lange ein Tagebuch geführt. Eigentlich führe ich seit Jahren in einer Community eine Art Blog. Mit heiklen Dingen bin ich dann eher in das Borderline-Forum. Eben weil dort nicht jeder lesen konnte und man eben auch zumindest am Anfang, recht offen schreiben konnte. Zwischenzeitlich werden auch diese Threads moderiert. Weniger Tagebuch habe ich dort geschrieben, als man selber nicht mehr editieren konnte. Etwas was mir immer wichtig war. Einfach alles löschen zu können, wenn ich mich nicht mehr sicher fühle.

Nun schreiben sie die Leute regelmäßig an, die im Tagebuchbereich länger nicht aktiv waren. An sich will ich den Teil meines Lebens nicht löschen. Bzw. würde ich eben gerne den Inhalt vorher kopieren. So loggte ich mich eben nach der ersten Mail die Tage ein. Fand mein Tagebuch nicht, schrieb die betreffende Person an und bekam heute Antwort. Sie verlinkte nur und ich habe da keinen Zugriff. Ich bin gespannt. Ich sehe es noch gelassen. Vor drei Jahren oder so wäre ich grundsätzlich davon ausgegangen, die haben mich einfach entfernt. Noch bin ich klärungsbereit.

In dem Zusammenhang stöberte ich auch in alten Beiträgen. Heute stieß ich auf einen Beitrag, den ich dort geschrieben habe, kurz bevor meine Mutter ins Hospiz „musste“. Beschreibe den Umgang meines Bruders mit mir. Beschreibe, wie ich von wichtigen Gesprächen fern gehalten werde. Nicht zu meinem Schutz. Sondern klar, weil man mich nicht dabei haben wollte. So Sätze von meinem Bruder wie: Nur wegen dir muss Mama ins Hospiz. Auf dich können wir uns nicht verlassen usw. Punkte die damals nicht stimmten.

Ich fühle mich gerade wieder voll in der Situation. Sehe gerade aber auch, wie viel sich geändert hat. Mein Vater, der immer an mir klammerte, wendet sich nun an meinen Bruder. Was zwar weh tut, aber auch seine Vorteile hat. Zumindest muss ich mir nicht mehr ständig anhören, dass ich das und das sofort machen muss und das ja können muss usw. Ich sehe auch, dass sich das Verhältnis zu meinem Bruder verändert hat. Heute würde er in der Situation damals zusammen mit mir eine Lösung suchen. Wir würden halbwegs offen sprechen. Trotzdem tut es verdammt weh, beim letzten Weg meiner Mutter so sehr wie Dreck behandelt worden zu sein.

Trotzdem wäre es schön, wenn die Zeit vor Mamas Tod „angenehmer“ verlaufen wäre. Sterben ist sicherlich nicht angenehm. Aber es geht sicherlich auch ohne das sich die Angehörigen aus dem Weg gehen.

Einsicht ist der beste Weg zur Besserung?

Ich mag ja manches Mal komische Sprichwörter und dieses passt gerade. Deshalb der komische Titel meines Beitrags.

Ich war nun ein paar Tage nicht hier. Meine Vermieter sind ruhig, ich lebe vor mich hin, mal mehr oder weniger gut, es ist sonst nichts komisches passiert und so weiter. Ok ich war ausgesprochen kreativ. Was mir wirklich Freude macht.

Meine Gedanken drehen sich weiter um Anna. Immer noch mit dem Gedanken beschäftigt, lohnt es ihr zu schreiben? Antwort werde ich eh keine bekommen. Und irgendwie scheue ich auch die Auseinandersetzung. Denn schreiben würde auch heißen, wieder alles mögliche durch zu leben.

Heute Abend erwischte ich mich dabei, wie ich in Gedanken meine Mutter was fragte. Ähnlich wie ich Anna fragen würde. Nun denke ich, ob ich so einen Drang habe Anna zu schreiben, weil sie greifbar und real ist? Weil sie immerhin, rein theoretisch, Antworten geben könnte? Meine Mutter könnte das ja nicht mehr?

Am Donnerstag steht Diagnostik an, es sei denn ich habe keine Lust. Allerdings reizt es mich sehr. Und das Angebot steht und ich kann eben früher zum Termin bei Wunderärztin erscheinen und einen Fragebogen ausfüllen und sie geht das dann mit mir durch. Allerdings ist mir bewusst, dass sie damit etwas macht, was sie eigentlich nicht darf. Diese Art der Diagnostik möchte die Klinik nicht. Die Ärzte sollen anhand von Gesprächen diagnostizieren. Nun ja wundert mich nicht, dass man mich deshalb in die Borderline-Schublade gesteckt hat.

Ich bin also gespannt….

 

Vergessen, verdrängt oder lebe ich mal wieder nur in meiner Welt?

Irgendwie komme ich gerade mal wieder psychisch nicht auf die Beine. Seit Wochen ist der Schlaf eher schlecht. Ich hänge wohl noch in den ADS Gedanken? Mit meiner Betreuerin habe ich da die Woche drüber geredet und da wurden dann noch andere Dinge Thema, die mich im Endeffekt auch runter gezogen haben.

Ich hänge nicht direkt in den Gedanken, fühle mich aber von einer leichten Dunkelheit eingehüllt. Treibe eher vor mich her.

Vorhin wurde mir bewusst, dass diesen Monat ja Mamas Todestag ist. Ich habe den echt vergessen und musste tatsächlich nachschauen, wann genau der ist und ich schäme mich dafür. Nun kreisen die Gedanken erst Recht! Lebe ich mal wieder zu sehr in meiner Welt? Wobei ich mich zurzeit viel klarer empfinde, als in den letzten Jahren.

Hinzu kommt, dass damals 2 Tage vorher.. da hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben jemand um Hilfe gebeten, als es mir wirklich schlecht ging und bin im Endeffekt weg geschickt worden. Von meiner damaligen Therapeutin. Ich hatte mich überwunden sie anzurufen, weil es mir wirklich mies ging. Kommentar von ihr, was sie denn machen soll? Ließ mich dann kommen. Sagte in dem Gespräch dann, ich kann nicht jedes Mal bei ihr anrufen wenn es mir schlecht geht. …. war wie gesagt das erste Mal.

2 Tage später starb Mama. Auf einen Sonntag. Keinen Ansprechpartner.

Irgendwie überfällt mich immer um den Todestag von Mama rum Traurigkeit. Das erste Jahr, in dem ich nicht im Vorfeld darauf fixiert bin, aber nun eine Erklärung habe?

Die Woche habe ich den Entschluss gefasst, ich möchte das nicht mehr. Ich möchte nicht mehr regelmäßig in der Horrorklinik Frau Sonnenschein oder Wunderärztin präsentieren was sie sehen möchten. Möchte mir keine Gedanken mehr darum machen, wie man reagieren könnte, wenn ich was erzähle. Möchte mir keine Gedanken mehr darum machen, dass ich in der einzigen Psychiatrie die für mich zuständig ist schön brav präsentieren muss, dass es mir gut geht. Mir aber auch klar ist, dass ich das nur mit einer Therapie beenden kann.

Und irgendwie ist mir gerade alles zu viel.

Ach ja nächste Woche sehe ich mir eine Wohnung an. Wobei ich vermute, dass mir die nicht liegen wird. Allerdings würde ich damit mal Übung bekommen.

ADS – Kindheitserinnerungen?

Am Mittwoch Abend lief ein „netter“ Film im ARD. An sich sehe ich die öffentlich-rechtlichen Sender eher selten. Aber die Thematik sprach mich an und es gab sonst nichts was mir behagte.

Inhalt kurz zusammengefasst:

Merle besucht die 6. Klasse eines Gymnasium. Sie hat noch eine Halbschwester (Lea), die im Teenageralter ist. Beide Kinder haben die selbe Mutter, aber nicht den selben Vater. Die Mutter ist mit dem Vater von Merle verheiratet, der aber Lea von Geburt an kennt.

Merle ist nicht dumm, träumt aber gerne vor sich hin und vergisst dabei die Welt. U.a. deshalb schreibt sie schlechte Klassenarbeiten, weil ihr die Zeit nicht reicht. Die Eltern werden zum Gespräch gebeten und ihnen wird nahegelegt, Merle vom Gymnasium zu nehmen. Der Vater ist der Meinung, man will sein Kind nur los werden, weil es Arbeit macht. Die Mutter drängt darauf, zumindest mal einen Arzt zu fragen, weil sie der Meinung ist, ihr Kind hat da irgendwelche Probleme.

Der Kinderarzt schickt sie zur einer Therapeutin, die dem Kind ganz klar ADS diagnostiziert. Sie rät zu Medikamenten und Therapie. Die Eltern lehnen Medikamente ab.

Nun konzentriert sich alles auf Merle. Es wird täglich mit ihr geübt, nach einem Zeitplan. Über Belohnungen soll das Kind animiert werden, sich bewusst zu werden, wofür es lernt. Dabei bleibt Lea auf der Strecke, die Arbeit der Eltern (selbstständig als Architekten oder so), die Ehe der Eltern usw. Der Vater zweifelt an sich, weil Lea ja gesund ist, sein Kind aber nicht. Die Mutter will ohne Medikamente arbeiten und orientiert das komplette Leben an Merle, Lea sieht nur noch, dass sich alles um Merle dreht und jeder Einwand wird von der Mutter bei Seite geschoben. Und Merle steht dazwischen. Fühlt sich „Krank“, „gebrandmarkt“ etc. Die Oma (Mutter der Mutter) empfindet ADS als Modediagnose usw. Unterstützt die Familie aber teilweise.

Die Mutter bricht zusammen, kommt ins Krankenhaus, Lea haut ab…. die Eltern streiten. Beide Kinder (Lea wurde von der Polizei zurück gebracht) hören das. Und alle, wirklich alle 4 sind am Ende ihrer Kräfte.

Der Film war generell recht gut gemacht. Mich hat ein wenig verwundert, dass man das erst in der 6. Klasse bemerkt und noch dazu die Eltern scheinbar noch nie was von ADS und ADHS gehört haben. Die Eltern lehnen Medikamente ab. Namen werden keine genannt, aber mir war klar, dass es um Ritalin gehen muss. Ich kann verstehen, dass die Eltern sich wehren. Sie wehrten sich aber bereits, als sie noch nichts über das Medikament wussten. Ich selbst halte die Gabe von Ritalin für nicht unbedenklich, aber gleichzeitig auch teilweise für sinnvoll.

Nun zu meinen Gedanken und zu mir :-)

Ich war genau so ein Kind. Träumerchen de Luxe. Ich kann mich erinnern, dass in der Grundschule die Lehrerin bei Aufsätzen zu mir gesagt hat, ich soll endlich mal anfangen und das mehr als einmal. Es wurde in dem Film gezeigt, wie schnell sich Merle ablenken lässt durch Kleinigkeiten. Bsp. Ein Klassenkamerad spielt mit seinem Stift. Sie beobachtet den Stift. Die Szene kenne ich nur zu genau. Ich hab letzte Weihnachten eine Kugelbahn verschenkt. Ich hätte sie am liebsten selbst behalten, weil ich stundenlang dabei zuschauen könnte, wie die Kugeln nach unten rollen.

Ich habe 2007 eine ADS Diagnostik machen lassen. Kurz vor dem Tod meiner Mutter, bzw. überschnitt sich das dann. Die Ärztin wollte Auskunft zu meiner Kindheit, die ich nicht geben konnte. Wollte einen Elternfragebogen. Den haben ich mitgenommen und dachte mir, ich nehme den am Sonntag mit ins Hospiz zu meiner Mutter, wenn mein Vater auch da ist und wir füllen den gemeinsam aus. An diesem Sonntag verstarb meine Mutter.

Mein Vater konnte mir keine Auskunft geben. Weil er sich eben gar nicht um uns gekümmert hat und das alles Mama gemacht hat. Daraufhin bin ich mit dem Fragebogen in meinen Kindergarten. Denn dort war ich immerhin vom 3. Geburtstag bis nach dem 11. Geburtstag. Eine der Erzieherinnen erzählte mir in dem Zusammenhang, man habe meiner Mutter schon im Kindergarten gesagt, sie soll mit mir mal professionelle Hilfe suchen. Was sie ablehnte. Das tickt seit dem ständig in meinem Kopf. Wie groß wären die Chancen, dass ich heute gesund wäre?

Die Erzieherinnen konnten mir auch nur zum Teil Auskunft geben, immerhin lag das über 20 Jahre zurück. Andere Verwandte gab es in dem Sinne nicht, da wir doch recht abgeschottet aufwuchsen.

Wäre ich in der heutigen Zeit aufgewachsen, wäre ich schon als Kind behandelt worden. Denn irgendwer hätte eingegriffen. Damals machte man das noch nicht. Bzw. nur in sehr extremen Fällen.

Meine Mutter hätte mir allerdings ohne lange Diskussionen Ritalin gegeben. So was wurde nie hinter fragt. Sich mit mir auseinander gesetzt, wie Merles Mutter es getan hat, hätte man sich mit mir auch nicht. Und man hätte mir ständig Vorwürfe gemacht. Btw. das war etwas was ich an dem Film sehr schön fand, dass man Merle keine Vorwürfe machte.

Ich frage mich, warum meine Mutter nie mit mir zum Arzt ist. Bzw. ihr war schon bewusst das ich „anders“ bin. Weil ich eben nicht ins Bild passte usw. Ich kann mich erinnern, dass mein Bruder oft Kopfschmerzen hatte und man mit ihm zu x Ärzten ging. Aber das war was greifbares. Ich war einfach nur ungezogen usw.

Ich saß mit einem großen WARUM MAMA vor dem Fernseher. Ich werde den Gedanken nicht los. Warum hat sie sich um mich nicht so gekümmert, wie um meinen Bruder? Wobei, wenn man mir sagen würde, mein Bruder hätte in seiner Kindheit ADHS gehabt, dem würde ich zustimmen. Ich denke, wenn bei ihm mal eine Borderline- Diagnostik gemacht werden würde, dann würde er die Diagnose auch haben. Allerdings denke ich auch, Borderline muss kein Problem sein, wenn man Menschen hat, die hinter einem stehen. Und die hat mein Bruder eben.

Ach ja das Ergebnis der ADS Diagnostik war „witzig“. Die Ärztin, die den Test mit mir machte, wollte mich an sich sofort in einer ADS Gruppe für Erwachsene unterbringen. Sagte das dann kurzfristig ab. Dem Ergebnis turnte ich monatelang hinter her. Man erklärte mir nichts. In dem Arztbericht dazu steht, dass ich wahrscheinlich in der Kindheit ADS hatte, es aber nicht gehabt haben könnte, weil ich zu viel gelesen habe. Es könnte sein, dass ich auch jetzt ADS habe oder auch nicht. Der IQ Test fiel recht gut aus, was mich nicht verwunderte, aber neue Wunden auf riss. Und hätte ich gewusst, dass ein IQ Test gemacht wird, hätte ich auf die komplette Diagnostik verzichtet. Denn ich frage mich auch hier, warum ich nie gefördert worden bin und immer als Dummchen behandelt wurde. Immerhin durfte ich auch kein Abi machen, weil ich ja ein Mädchen bin und eh mal heiraten und Kinder bekomme.

Der letzte behandelnde Arzt tat ja eh alles mit: Das ist alles Borderline! ab. Ich glaube die Testung habe ich bei ihm nur kurz mal angesprochen. Hat ihn auch nicht weiter interessiert. Anna meinte auch: Das ist alles Borderline! und sagte mir an sich auch klar, dass sie keine Lust auf Diagnostik hat, weil zu aufwendig.

Wisst ihr, ich würde es gerne hinterfragen, warum meine Mutter nie was getan hat… aber im Endeffekt habe ich mit Behandlern die selben Erfahrungen gemacht. Bilde ich mir wirklich alles nur ein?

 

Rauchentwöhnung und andere Gedanken

Der Sohn meiner Vermieter ist endlich umgezogen. Irgendwie stellt sich nun doch Wehmut ein. Meine heiß geliebte alte Wohnung und so Sachen die mit dran hingen. Der vierte Stock fällt mir nicht wirklich leicht. Auch das ich nicht eben mal aus dem Fenster sehen kann, wenn es auf der Straße laut ist, vermisse ich. Auch wenn das doof klingt.

Generell lebe ich eh gerade in einem Gedankenkarussell. Ein mal klar ausgelöst durch das Gespräch mit Frau Sonnenschein. Zu der ich nachher darf und dank Fasching auch Fahrscheine kaufen muss.

Gedanken zur Wohnungssuche. Die nächste wäre ja noch mal kleiner als jetzt. Muss kleiner sein, weil ich staatliche Leistungen bekomme. Ich würde ja auch 10 Euro oder so aus dem Regelbedarf drauf legen, würde mir ja die Monatsfahrkarte ersparen. Wenn die aber die Wohnung nicht bewilligen, weil zu teuer oder zu groß, dann muss ich zusehen wo ich die Kaution her bekomme. Muss ich den Umzug alleine finanzieren.

Ich würde mich ja gerne weiterhin mit meinem Bastelkram selbst ständig machen. An Ideen mangelt es nicht. Jetzt schon starten geht nicht, weil mein Vermieter mit Sicherheit einer teilgewerblichen Nutzung seiner Wohnung nicht zustimmen wird. Selbst wenn, stünde ich weiter vor dem Problem, wer finanziert einen Umzug. Und das Geld habe ich nicht. Werde ich auch nicht erwirtschaften können. Mit einem Nebengewerbe würde ich aus dem SGB 12 Bezug fallen.

Mit dem Basteln etc. habe ich gerade auch ein schlechtes Gewissen. Es ist genauso ein Teil von mir wie meine Psyche. Ich habe vor Kurzem begonnen einen extra Blog damit zu machen. Klar so ein wenig mit dem Ziel schon vorher ein wenig bekannt zu sein, Ideen zu sammeln usw. Ich habe bewusst eine komplett neue Adresse angelegt. Ich will das hier und die Bastelei getrennt halten. Ein mal weil ich keinen Stempel haben will und in der Welt der Normalos (ich hasse den Begriff) ein wenig mitspielen möchte. Aber auch, damit niemand mir die Polizei schicken kann. Denn auf dem anderen Blog muss ich über kurz oder lang meinen realen Namen und die Adresse angeben. Und nun habe ich das Gefühl ein doppeltes Spiel zu spielen. Klingt das doof?

Seit gestern versuche ich mit dem Rauchen aufzuhören. Ich nehme ja nun ein AD was u.a. eben auch zur Rauchentwöhnung genommen wird. Vielleicht hätte ich noch ein paar Tage warten sollen, bis das AD voll anschlägt? Nun ja, ich kämpfe mich mit Nikotinkaugummis über den Tag und rauche ab und an eine Zigarette oder teile die auf 2x eine halbe. Also doch den Weg über Reduktion.

Gestern einen interessanten Trick gesehen. Man soll sich eine möglichst schlimme (eklige?) Situation vorstellen. Die soll man sich beim Rauchen vorstellen. Erster Gedanke war letzter Klinikaufenthalt, den ich dann schnell verworfen habe. Dann dachte ich an den Moment, als ich meine Mutter das letzte Mal lebend und wach erlebt hat. Sie sich übergeben hat. Etwas was ich nicht ertragen kann. Es hilft beim Rauchen daran zu denken. Allerdings kreisen meine Gedanken nun viel um meine Mutter, meine Kindheit und so weiter.

Aber ich werde das mit dem Rauchen aufhören weiter verfolgen. Es würde mein Leben enorm erleichtern. Mehr Zeit, mehr Geld, kein Zwang mehr genügend Tabak daheim haben zu müssen, weniger Dreck, mehr Platz. Und das Geld, welches ich nun einspare, damit könnte ich vielleicht einen Teil der Maklerkosten bezahlen.