Tee statt Pillchen

Heute stand in meinem Kalender ein Termin mit Wunderärztin. Meine Betreuerin wollte mitkommen. Kam dort hin, wollte mich anmelden, sagen die zu mir, der Termin wäre letzte Woche gewesen. Ich bin an sich sehr gewissenhaft beim Eintragen meiner Termine. Und warum hat mich keiner angerufen, dachte ich so.

Nun ja… ich durfte warten und man sah was man machen kann.

Dann ging es um neue Termine. Grundlage ist, dass mir gesagt wurde, ich hätte da einmal im Monat anzutreten. Wunderärztin hat aber nur eine halbe Stelle und arbeitet nur einen Nachmittag. Da ich morgens nicht kann, bleibt nur der Nachmittag. Den nächsten Termin konnte man mir für Ende Mai anbieten! Und wir haben dann auch gleich die Termine für das ganze Jahr gemacht. Irgendwann ist Wunderärztin im Urlaub und statt mir eben einen Termin nach drei Wochen zu geben, haben wir da wieder sechs oder sieben Wochen dazwischen. Kommentar der Dame am Empfang: Ich hätte ja noch regelmäßige Termine mit Frau Sonnenschein. So ala deswegen brauche ich nicht so oft Arzttermine. Nur doof, dass Frau Sonnenschein nur Sozialarbeiterin ist. Ich hasse dieses weiter geschiebe.

Nun ja Wunderärztin nahm mich dran, sonst wäre ich eben wieder gegangen. Mir war es aber wichtig, in Erfahrung zu bringen, warum sie beim letzten Termin so „heftig“ war. Ich sagte ihr, dass ich total verunsichert war und mir unklar war, ob sie irgendwie ein Problem mit mir hat, ihre persönlichen Probleme mit einflossen oder sie einfach ausgesprochen hatte, was sie seit langem dachte.

Sie war der Meinung, es ginge um die Behandlungsvereinbarung, die mir im momentan relativ egal ist. Oder ich verdränge den Gedanken daran. Und so ritt sie darauf wieder rum. Ich denke mittlerweile so: Die Klinik sagt zwar, ich soll meine Bedürfnisse formulieren – aber schlussendlich kann ich aus einer handvoll Behandlungsvarianten die wählen, die am wenigsten schlimm sind. Und Fakt ist (leider!), dass eben nur die Akutsituation und die Aufnahmesituation geklärt wird, aber eben nicht wie ein Aufenthalt generell abläuft/ablaufen sollte.

Ich sprach die Zopiclonsache dann konkreter an. Schlussendlich bin ich die einzige ihrer Patienten die Zopiclon nimmt, weil sie generell nichts verschreibt, was abhängig macht. Es kam wieder was ala Respekt vor dem Kollegen usw.

Ich hab dann halt gefragt, was sie denn u.a. statt Bedarf an Tees empfehlen könnte. Ich habs mal notiert. Lavendel sei gut bei Angst. Ich reagiere auf Lavendel zwar mit Heuschnupfen… aber wenn es die Angst nimmt, nehme ich auch das in Kauf. Vielleicht wirkt es bei Tees auch anders?

Im stationären Bereich schwören die meisten auf so einen komischen Gute-Nacht-Tee. Mir wurde der auch oft genug angeboten. Gewirkt haben sie nie. Und noch dazu war der wirklich eklig. Ich glaube da auch nicht wirklich dran. Man könnte nun sagen, wenn du nicht dran glaubst, dann wirkt es auch nicht…. so dachte ich beim ersten Psychopharmaka ja auch und ich hatte damit die beste Zeit meines Lebens.

Laut Wunderärztin muss es ja auch nicht sein, dass ich bei zu wenig Schlaf suizidal reagiere. Machen andere ja auch nicht. Mich kotzt es ein wenig an, dass mir da ja irgendwie mal wieder meine Erfahrung abgesprochen wird. In über 90 Prozent solcher Situationen war es so oder ist es so – kann keiner verstehen, dass ich da wirklich Angst davor habe?

Außerdem riet sie dazu, eine Entzug stationär zu machen, weil ambulant ja viel zu heikel. Ich kann mich an Medikamente absetzen im stationären Bereich erinnern, bei denen es keinen interessierte, wie es mir damit ging und ob ich Nebenwirkungen hatte. Und ich leider auch weiß, dass stationäre Situationen eh schon zu schlechtem Schlaf führen.

Wunderärztin sprach von ablenken und erzählte von einer Patientin aus der Skillsgruppe, die sich aus Langweile selbst verletzt. Hab ich nie getan, keine Ahnung was der Vergleich sollte. Aber nun ja. Wenn man nicht schlafen kann, macht man eben was anderes. Bügeln, Kochen (geht nicht, weil Kinderzimmer unter meiner Küche) und so weiter. So schlau war ich leider auch schon – ohne wirklichen Erfolg.

Ich habe festgestellt, dass ich eindeutig nicht wirklich erklären kann, was ich eigentlich will. Meine Bedürfnisse nicht passend formulieren kann. Egal bei wem.

Morgen kommt meine Perle. Läuft gerade auch nicht wirklich gut. Sie ist ständig mit ihrem Smartphone abgelenkt. Ich habs letzte Woche mal angesprochen, da hat sie recht pissig reagiert. Wenn mindestens was geschafft werden würde. Dem ist aber leider auch nicht wirklich so. Letzten haben wir drei Stunden gemacht. 3 Stunden sind bewilligt. Wir haben in der Zeit ein paar Sachen gespült (war nicht wirklich viel). Zusammen. Dann hat sie gesaugt, hat Küche und Hausflur geputzt und ich glaube wir haben noch zusammen das Bett bezogen. Eindeutig zu wenig für 3 Stunden.

Letztens habe ich fest gestellt, dass der Kasten der Toilettenspülung gelbe Schlieren hat. Das der gelb wird, weil ich rauche, kann sein – ok ist so. Aber wenn da gelbe Schlieren drauf sind, ist eindeutig mal nicht richtig geputzt worden. Toilette macht fast immer sie. Ich habe auch keine Lust jedes Mal hinter ihr her zu kontrollieren. Ist irgendwie ja auch nicht der Sinn. Der Kasten ist nagelneu und mich ärgert das schon.

Und wirklich was dabei lernen tue ich eben auch nicht. So wie es aussieht, wird mir die Haushaltshilfe noch einen Bewilligungszeitraum bewilligt. Die Hilfeplankonferenz ist nächste Woche. Ohne meine Betreuerin, die im Urlaub ist.

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Monatsrückblick Februar 2015

Ich habe beschlossen, dass ein Monatsrückblick vielleicht ganz sinnvoll ist. Vielleicht auch, weil der Februar wirklich heftig war?

Der Februar war eindeutig durch PMS geprägt. Wobei PMS sicherlich ein weitreichender Begriff ist. Alle paar Monate bin ich vor, während und/oder nach meiner Periode nur angespannt, gereizt, explosiv, zerstörerisch und depressiv. Diesen Februar hatte ich gute drei Wochen Spaß daran.

Auslöser war sicherlich u.a. der Versuch mit der Klinik eine Behandlungsvereinbarung aufzusetzen. Das zog mich bereits im Januar ziemlich runter. Viele Gedanken dazu, wie es gewesen wäre wenn und so weiter. Ich vieles einfach immer noch nicht verstehe.

Geprägt war alles auch noch durch Selbstzweifel. Was hätte ich besser machen können? Was muss ich sagen, damit ich Hilfe bekomme?

Der Fragebogen für die Therapeutin gab mir dann wohl den Rest. Ich schäme mich dafür, dass ich nichts wirklich positives über meine Eltern schreiben konnte. Generell zu meinem Leben? Was sicherlich auch aufgrund meiner Gefühlslage geschehen ist. Ich in dem Moment generell alles kritisch gesehen habe?

Der Versuch bei Wunderärztin Hilfe zu finden. Ich habe mittlerweile fest gestellt, dass es schwer ist zu sagen Hilf mir, wenn ich ausklammern muss, dass ich am liebsten tot wäre. Was darf ich sagen und was nicht? Wie kann es etwas formulieren, ohne das etwas für mich schlimmes geschieht?

Mir auch bewusst ist, wie schwer es für Behandler ist, mich einzuschätzen, weil klar ist, dass ich zu viel verschweige. Aber wie soll ich es ändern? Wäre ich die letzten fünf Jahre zu dem Thema Suizidalität immer ehrlich gewesen, hätte ich mehr Zeit in der Psychiatrie zugebracht als zu Hause.

Ich habe auch fest gestellt, dass es nichts gibt, wofür ich dankbar bin, dass man mich am „Leben erhalten“ hat. Die was wäre wenn Schleife – hätte ich damals meinen Mund gehalten, dann wäre ich zwar jetzt eventuell/wahrscheinlich tot. Aber es wäre mir auch viel erspart geblieben.

Ich habe außerdem fest gestellt, dass ich nichts weiß, wofür sich Leben noch lohnt. Ich habe keinen Job. In meinen erlernten Beruf kann ich nicht zurück. Meine Rente ist zu niedrig um davon auf Dauer leben zu können. Die ergänzenden Sozialleistungen gerade so hoch, dass sich Arbeiten rein logisch gesehen nicht wirklich lohnen würde. Ich aber auch weiß, ich würde arbeiten gar nicht mehr hinbekommen.

Frau Sonnenschein meinte letzte Woche, dass Handlungen eben auch Konsequenzen bringen. Oder man eben für seine Handlungen auch die Konsequenzen tragen muss. Ich frage mich, warum ich dann für Handlungen, die ich nicht begannen habe, die Konsequenzen tragen muss? Ich habe den Oberarzt nie ein Schwein genannt, aber muss die Konsequenzen dafür tragen? Ich habe eine sachliche Frage gestellt und muss mich als paranoid beschimpfen lassen?

Frau Sonnenschein auch sagte, ich habe ja immer dazu gestanden, dass ich eine Suizidankündigung gemacht habe. Ja habe ich. Im Arztbericht steht aber, ich hätte das abgestritten?

Frau Sonnenschein erklärte mir, dass ich doch weiß, wenn Fremd- oder Eigengefährdung vorliegt, dann wird eben auf eine Geschlossene verlegt. Nur doof, dass ich auch weiß, dass in der Klinik eben auch anders gehandelt wird. Nur doof, dass es im Vorfeld mit mir andere Absprachen gab. Wozu gibt es Absprachen, wenn sich andere nicht daran halten brauchen, aber ich schon?

Ich verstehe nicht, warum man mir auf der einen Seite sagt, ich soll formulieren was ich brauche, bzw. wie man mit mir umgehen soll/kann, wenn es nachher doch nur darum geht, aus einer handvoll Angeboten das auszuwählen, was am wenigsten schlimm ist? Bzw. ich jetzt schon weiß, dass besagter Oberarzt doch wieder an der Behandlung beteiligt sein wird und er generell die Schiene fährt: Wir breiten kein Behandlungsangebot vor Ihnen aus und Sie suchen aus was sie wollen und was nicht. Aber nun soll ich genau das machen? Bekomme ich gerade nicht hin. Den Gedankengang ansprechen brauche ich wohl auch nicht mehr, weil es anstrengend ist, wenn ich etwas hinterfrage?

Immerhin habe ich auch halbwegs positive Erfahrungen machen können.

Meine Chefin bei meinem Ehrenamt scheint gerade von mir angetan zu sein. Mal sehen wie lange es anhält.

Und der Kontakt mit der Therapeutin. Die mir offen und ehrlich gesagt hat, dass sie mich nicht behandeln kann. Das erste Mal in fast 10 Jahren Borderline das mir jemand offen sagt, er schafft das nicht. Ohne das ich mich schlecht damit fühle! Hochachtung an die Frau.

Und schlussendlich bin ich letzte Woche aktiver in die Wohnungssuche eingestiegen und habe Flyer aufgehängt. Der erste Anruf kam als der erste Zettel noch keine 30 Minuten hing. Mit der Frage, ob ich auch Sex will. Nein will ich nicht.

Zwischenzeitlich gab es einen zweiten Anruf und einen dritten. Beides Mal die selbe Person, denke ich. Die wollte wissen, ob ich eine Wohnung anbieten kann. Nein kann ich nicht.