Lösen Asylanten psychische Probleme?

Ein ganz schön provokante Überschrift oder?

Letzte Woche traf ich mich mit Wunderärztin, Frau Sonnenschein und meiner Betreuerin, mit dem Ziel, eine Behandlungsvereinbarung aufzusetzen. Der Vordruck lag mir ja vor und hatte mich schon mehr oder wenig amüsiert. Und auch runter gezogen. Ich ließ es halt so halbwegs auf mich zukommen.

Ein paar Dinge waren recht schnell geklärt. Zumindest hatte keiner was daran auszusetzen, dass ich meine Medikamente aus dem Blister möchte. Auch wer erst mal Ansprechpartner ist. An sich wollte ich meinen Bruder fragen. Aber das wollte ich nicht am Telefon machen. Sinn dahinter war, dass er sich vielleicht auch für mich einsetzt. Also wenn er hört, ich bin auf einer Geschlossenen, dann auch darauf besteht, dass ihm das in meinem Beisein erklärt wird. Mittlerweile bin ich davon abgewichen.

Eine der Punkte war in etwa, mit wem ich keinen Kontakt will. Darüber hatte ich mir im Vorfeld viele Gedanken gemacht. Aus meinem „privaten“ Umfeld gibt es da eigentlich niemand. Aber ich hab halt so meine Probleme mit diversen Klinikmitarbeitern. So ratterte ich an dem Punkt einen Oberarzt, eine Ärztin, die Chefergotherapeutin und den Sporttherapeuten runter. Als krönenden Punkt auch gleich noch die Leitung der anderen Klinik, die eventuell im Einzugsgebiet liegt. Das die Leute natürlich von meiner Aufnahme erfahren, ist relativ klar. Frau Sonnenschein und Wunderärztin schienen ansonsten nicht erstaunt und es wurde notiert. Ob das umsetzbar sein wird, wird fraglich sein. Denn es gibt eben nur zwei leitende Oberärzte.

Durchzogen war das Gespräch halt immer wieder von Erinnerungen. Ganz klar auch Ängsten. Ich bei manchen Dingen eben auch weiß, das macht die Klinik gar nicht. Zum Beispiel eben Sitzwache.

Großer Punkt war auch, was man in der Aufnahmesituation machen soll. Dort stand „zum Angebot“ eben auch Gespräche. Ich frage mich hier, wie das funktionieren soll. Während meiner Aufenthalte habe ich oft genug zu hören bekommen, dass man ja so viele Patienten hat und keine Zeit hat. Gerade auf der Geschlossenen wurde ich ja hauptsächlich mir selbst überlassen.

Bei dem Punkt, was man machen könnte, bevor man zu Zwangsmaßnahmen greift, war man sich wohl ein wenig uneinig. Was mir aber auch erst jetzt bewusst wird. Dort steht eben auch Gespräch mit der Vertrauensperson. Das wäre, wenn mein Bruder drin stehen würde, eben er. Mir wurde im nach hinein bewusst, dass ich mit ihm in der Situation nicht sprechen könnte, wollen würde? Für mich gerade DER Grund, warum ich ihm die Last doch nicht würde aufbürden wollen. Btw. ich finde es recht viel verlangt, wenn sich ein Verwandter/Bekannter – also jemand außerhalb des Fachbereichs, in einer absoluten Krisensituation um jemand kümmern soll.

Einzelbetreuung wird an dem Punkt auch angeboten. Wie soll das funktionieren? Für mich wäre sie wahrscheinlich hilfreich. Aber nun ja.

Ich denke, Wunderärztin war relativ angepisst. Zum Ende hin äußerte sie, dass sie wohl das Gefühl hat, ich nehme die Behandlungsvereinbarung nur um der Klinik eins auszuwischen. Grundlage dafür dürfte wohl sein, dass ich im Vorfeld gefragt hatte, was ich machen kann, wenn die Klinik sich nicht an die Dinge hält. In der Behandlungsvereinbarung eben auch ein Passus drin ist, in dem steht, dass die Klinik sich verpflichtet, sich daran zu halten. Sollte das nicht passieren, muss das begründet dokumentiert werden und mit mir besprochen werden. Ich stelle mir an dem Punkt klar die Frage, brauche ich eine Behandlungsvereinbarung um Aufklärung zu erhalten?

Schlussendlich meinte sie was in der Art, ich muss von alten Dingen los lassen. Denn so bringt das gar nichts. Da stimme ich ihr ja teilweise zu. Nur wie lässt man los? Wie lässt man los von Aussagen wie: Das wissen Sie doch? Wie schaffe ich es, nicht immer darüber nachzudenken, was ich wissen müsste? Wie komme ich von Aussagen los wie, ich habe dafür zu sorgen, dass es den Behandlern mit mir gut geht?

Irgendwie meinte sie dann, Asylanten schaffen es ja auch los zu lassen. Denn sonst würde ja die Welt vor lauter Leid untergehen. So was in der Art.

Erstmal hasse ich solche Vergleiche. Denn dann müsste ich auch sagen, mein Bruder ist im selben Elternhaus aufgewachsen und ist gesund. Deshalb muss ich es auch sein.

Dann bin ich der Meinung, dass es eben Menschen gibt, die mit der selben Situation vollständig anders umgehen. Den einen macht die Situation nichts aus und andere zerbrechen daran.

Und schlussendlich glaube ich ja nicht, dass Asylanten wirklich keine Probleme mit ihrer Vergangenheit haben. Ich denke, die Geschichte jedes Asylanten ist ihnen immer bewusst.

Ich sollte also vielleicht mal Asylanten besuchen und sie befragen, wie sie es geschafft haben, ihre Vergangenheit psychisch hinter sich zu lassen.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s