Vergangenes – Vergessenes – Mit dem Damals leben

Seit einer gefühlten Ewigkeit bin ich in einem Borderline-Forum angemeldet. Wirklich aktiv bin ich schon länger nicht mehr, weil mir einige Handlungen der damaligen Forenleitung nicht zusagten. Allerdings habe ich dort lange ein Tagebuch geführt. Eigentlich führe ich seit Jahren in einer Community eine Art Blog. Mit heiklen Dingen bin ich dann eher in das Borderline-Forum. Eben weil dort nicht jeder lesen konnte und man eben auch zumindest am Anfang, recht offen schreiben konnte. Zwischenzeitlich werden auch diese Threads moderiert. Weniger Tagebuch habe ich dort geschrieben, als man selber nicht mehr editieren konnte. Etwas was mir immer wichtig war. Einfach alles löschen zu können, wenn ich mich nicht mehr sicher fühle.

Nun schreiben sie die Leute regelmäßig an, die im Tagebuchbereich länger nicht aktiv waren. An sich will ich den Teil meines Lebens nicht löschen. Bzw. würde ich eben gerne den Inhalt vorher kopieren. So loggte ich mich eben nach der ersten Mail die Tage ein. Fand mein Tagebuch nicht, schrieb die betreffende Person an und bekam heute Antwort. Sie verlinkte nur und ich habe da keinen Zugriff. Ich bin gespannt. Ich sehe es noch gelassen. Vor drei Jahren oder so wäre ich grundsätzlich davon ausgegangen, die haben mich einfach entfernt. Noch bin ich klärungsbereit.

In dem Zusammenhang stöberte ich auch in alten Beiträgen. Heute stieß ich auf einen Beitrag, den ich dort geschrieben habe, kurz bevor meine Mutter ins Hospiz „musste“. Beschreibe den Umgang meines Bruders mit mir. Beschreibe, wie ich von wichtigen Gesprächen fern gehalten werde. Nicht zu meinem Schutz. Sondern klar, weil man mich nicht dabei haben wollte. So Sätze von meinem Bruder wie: Nur wegen dir muss Mama ins Hospiz. Auf dich können wir uns nicht verlassen usw. Punkte die damals nicht stimmten.

Ich fühle mich gerade wieder voll in der Situation. Sehe gerade aber auch, wie viel sich geändert hat. Mein Vater, der immer an mir klammerte, wendet sich nun an meinen Bruder. Was zwar weh tut, aber auch seine Vorteile hat. Zumindest muss ich mir nicht mehr ständig anhören, dass ich das und das sofort machen muss und das ja können muss usw. Ich sehe auch, dass sich das Verhältnis zu meinem Bruder verändert hat. Heute würde er in der Situation damals zusammen mit mir eine Lösung suchen. Wir würden halbwegs offen sprechen. Trotzdem tut es verdammt weh, beim letzten Weg meiner Mutter so sehr wie Dreck behandelt worden zu sein.

Trotzdem wäre es schön, wenn die Zeit vor Mamas Tod „angenehmer“ verlaufen wäre. Sterben ist sicherlich nicht angenehm. Aber es geht sicherlich auch ohne das sich die Angehörigen aus dem Weg gehen.

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