Freundschaft [short stories #2]

Was Eigenes und Jolijou haben für 2014 eine neue Aktion gestartet. Jeden Monat kann ein Text zu einem vorgegebenen Thema verfasst werden. Für Februar ist es das Thema Freundschaft.

Freundschaft ist ein kostbares Gut. Etwas was man hegen und pflegen muss. Etwas, was sicherlich wichtig ist, aber irgendwie nie dauerhaft Bestandteil meines Lebens war.

Ich kann mich erinnern, dass ich im Kindergarten eine Freundin hatte. Da gibt es auch noch Bilder zu. Die Mutter zog mit meiner Freundin leider zum Schulbeginn in ihr Heimatland. Meine Mutter hat mir vorher versprochen, wir würden uns trotzdem mal sehen. Sie waren weg und meine Mutter sagte, sie hat keine Adresse und nichts. Meinte zu mir, sie dachte, die Mutter würde sich damit melden.

Ich war damals enttäuscht. Heute denke ich, meine Mutter hätte sich da auch mal drum kümmern können. Dieses andere hätten ihr ja irgendwas vor den Arsch tragen können, war noch mehrmals Thema in unserem Leben.

Es gab zwar im Kindergarten auch andere Kinder, die auch später noch einen Stück meines Weges mit mir gingen. Auch mit mir auf dieselbe Grundschule gewechselt sind. Ich erinnere mich an die erste Sportstunde. Wir Mädchen zogen uns um und ein Mädchen, mit dem ich im Kindergarten auch schon gespielt hatte, meinte nur: Die fette Verstoert ist ja auch da. Das hat wehgetan.

Ich besuchte damals einen Kinderhort. Zusammen mit drei Klassenkameraden. Die beiden Mädchen waren miteinander befreundet und der Junge und ich verstanden uns an sich schon. Mit dem einen Mädchen war die Freundschaft erst inniger, zerbrach aber dann an einer Kleinigkeit.

Ich weiß, dass sich die Erzieher und meine Mutter wünschten, dass ich unter den Kindern, die dazu kamen, als ich in die zweite Klasse kam, eine Freundin finden würde. Was aber auch nicht wirklich der Fall war. Eines der Mädchen erzählte mir ein paar Monate später, dass sie mich ja nur ausnutzt.  Und Freundschaften zu jüngeren war Thema für sich. Meine Mutter bestand darauf, dass wir zum Geburtstag nur Kinder in unserem Alter einladen. Finde ich alles ein wenig widersprüchlich. Auf der einen Seite eine Freundin finden, aus dem Kreis jüngerer Kinder und auf der anderen Seite nur Kontakt zu gleichaltrigen zu haben.

Den Hort besuchte ich bis in die 6. Klasse hinein. In der 5. Klasse wechselte ich auf eine Realschule. Da bilden sich ja eigentlich auch noch Freundschaften. Nur doof, wenn man in den Hort musste, während die anderen sich für Nachmittags verabredet haben. Die Freundschaften bildeten sich und ich war nicht Teil davon, weil ich ja in den Hort musste. Als ich dort nicht mehr hin musste, hatten sich Freundschaften schon gebildet.

Die Realschulzeit sehe ich im Nachhinein so, dass ich vielen Gruppen zugehörig war, viele Leute auch aus anderen Klassen kannte (durch die Kirchengemeinde), aber die beste Freundin gab es nicht wirklich. Sie hatten immer noch andere Freundinnen. Gegen Ende der Schulzeit war der Kontakt zu einem Mädchen enger. Ihre andere Freundin forderte dann, entweder sie oder ich. Ich hasse solche Aktionen.

Ich glaube viele Freundschaften wurden auch nie inniger, weil ich eher oberflächlich war. Ich kannte aus dem Elternhaus nur, dass man mit anderen Menschen nicht über daheim reden durfte. Ich weiß, dass ich es gelegentlich tat. Eher in kleinen Runden. Zum Beispiel bei Freizeiten im Rahmen des Firmkurses usw. Die anderen Mädchen waren meistens geschockt. Und ich hielt mein Leben immer noch für normal.

Auch später ergab sich nichts, was ich heute als beste Freundschaft oder so bezeichnen würde. Gut ich war immer eigen. Anders eben. Aber oft auch gerne gesehen, so ist es nicht. Aber eben nichts für mehr.

Eine Freundin aus dem Kindergarten, also eine aus einem der Grüppchen, zu dem ich gehörte, erzählte ich mit Anfang 20 mal mehr aus meiner Kindheit. Wohlbemerkt ist sie als Kind bei uns recht oft gewesen. Kannte auch meinen Bruder und so. Sie war schockiert als sie manches hörte, denn das war ihr gar nicht bewusst.

Erst mit dem Internet lernte ich, man kann auch über Gefühle sprechen. Ich lernte einen jungen Mann kennen, mit dem es passte. Wir wurden von anderen als eines angesehen. Zerbrach, weil ich klammerte. Beziehungsweise auch zwischen Liebe und Freundschaft nicht unterscheiden konnte. Aber es gab noch einen Mann, mit dem der Kontakt enger wurde. Enger im freundschaftlichen Sinne.

Er riet mir auch dazu, wieder professionelle Hilfe zu suchen. Was ich auch irgendwann tat. Riet mir auch den elterlichen Betrieb zu verlassen und so weiter. Und er war Ansprechpartner als es darum ging, ob Klinik oder nicht. Zumindest vorm ersten Mal. Dort ja auch bald der Verdacht auf Borderline geäußert wurde. Wir Silvester eine Ewigkeit darüber sprachen. Zusammen mit seiner Freundin. Der Aufenthalt in einer Fachklinik wäre sicherlich sinnvoll. Das nahm ich dann am Jahresanfang in Angriff. Wofür ich den beiden auch dankbar bin.

Die Tagesklinik verließ ich kurz danach, mit eigentlich nicht wirklich etwas was geklärt war. Aber einer Menge Ängste. Und ich stand quasi vorm Nichts und wusste nicht, wie es weitergehen soll. Mit dem Freund mailte ich regelmäßig, der merkte, dass es mir richtig mies geht.

Knappe zwei Wochen nach Entlassung eskalierte die Situation. Frau Sonnenschein habe ich da am Telefon schon nicht mehr zusichern können, dass alles ok ist. Mein Freund meinte auch, ob ich nicht lieber in eine Klinik will? Wenn nicht mir zu Liebe, ihm zu Liebe und meiner Mutter zu Liebe. Hmmm, dachte ich. Fragte dann, ob er mich bringen würde. Ja er muss nur schnell noch seine Arbeit beenden, dann kommt er. Er wohnte zum Glück in einer Stadt in der Nähe. Zwischenzeitlich fragte er an, ob er Frau Sonnenschein anrufen darf, damit er weiß, wo wir hin müssen.

Kurze Zeit später stand auch die Polizei schon hier. Von Frau Sonnenschein, in Absprache mit den Ärzten, geschickt. Die Polizisten aber gingen, nachdem ich ihnen versichern konnte, dass mein Freund mich bringen würde.

Angekommen in der Notaufnahme. Ärztin der Tagesklinik da. Die mich erst mal weg schieben wollte. Endlich im Gespräch mit ihr. Ich hatte auf stumm gestellt. Da befragte sie den Freund. Der auch Auskunft gab. Sie ihn abwürgte und meinte, das weiß sie alles schon. Aber in einem Ton! Im Kontakt mit ihr meinte sie auch, sie würde lieber fernsehen, statt sich mit mir abgeben zu müssen. Und schob mich dann in eine andere Klinik ab, angeblich war in der Klinik vor Ort kein Platz mehr.

Danach gab es zwar Kontakt zwischen dem Freund und mir. Es gab aber bereits vorher die Absprache, wenn es ihm zu viel wird, sagt er es und das machte er. Der Kontakt wurde dünner, war aber zeitweise vorhanden. Er meinte aber auch, seit dem ich Borderline habe, weiß er nicht mehr, wie er mit mir umgehen soll. Einen Satz, den ich öfters hörte. Vor allem von Freunden, die mich an sich destruktiv kennen gelernt haben. Ein Satz, den ich bis heute nicht verstehen kann.

Mein Freund litt sehr unter dem, wie man mit mir in der Notaufnahme umgegangen ist. Schlussendlich zerbrach daran auch unsere Freundschaft, denn die bröckelte ab da ganz gewaltig. Heute besteht kein Kontakt mehr.

Es gibt heute lose Freundschaften, aber nichts wirklich Inniges. Ich scheue davor über mich zu reden. Viele sind damit überfordert. Mein Schweigen wird aber auch nicht wirklich gerne gesehen.

Klar wünsche ich mir im innersten meines Herzens eine beste Freundin oder einen besten Freund. Jemand zu haben, den man anrufen kann, wenn es einem schlecht geht. Ich befürchte aber, das wird ein Wunschtraum bleiben.

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