Trauma

Vor kurzem habe ich erfahren dürfen, wie es anderen Menschen geht, die sich durch die Psychiatrie schlecht behandelt fühlen. Mal nicht auf die Klinik bezogen, die ich nun mal kenne. Geschehen in dem Fall allerdings als Jugendliche. Ein Trauma bis heute, über 35 Jahre danach.

Ich spürte die Hilflosigkeit. Hilflosigkeit, die ich auch kenne. Eine Ohnmacht, dass man absolut nichts machen kann. Unter anderem auch, weil einem keiner glaubt. Der betreffenden Person nicht, weil sie in der Familienanamnese psychische Erkrankungen hat und weil sie selbst als suizidal eingestuft wird. Und die betreffende Person schilderte auch, wie es ist, wenn man gezwungen wird, jemand zu vertrauen, den man nicht mag. Warum sieht man auf so Punkte an sich nicht mal genauer hin? Warum wird man gezwungen quasi mit jedem zu reden? Erfahrungen die ich ja auch gemacht habe.

Ich hatte Momente, in denen ich schwankte zwischen: Zum Glück blieb mir das in meiner Kindheit erspart bis hin zu, was wäre wenn.

Ich bin nicht viel jünger als die betreffende Person. Hätten sich meine Eltern nicht so sehr geschämt für psychische Erkrankungen und hätten mich nicht einfach nur als die spinnt ja abgeschoben, statt sich mal um Änderung zu kümmern, wäre ich Ende der 80er sicherlich auch in der Psychiatrie gewesen. Hätte meine Mutter mit mir nach einem Suizidversuch mal einen Arzt kontaktiert – tja dann stünde in meiner Anamnese nun ein Suizidversuch und man würde anders mit mir umgehen. Ja das klingt bescheuert. Aber Patienten, die einen oder mehrere Suizidversuch in der Anamnese haben, werden anders behandelt als Patienten, die nur von Suizidgedanken sprechen.

Ich überlege ja schon länger, ob ich wirklich nichts mehr machen kann. Mehrere Versuche das gütlich zu klären, endeten ja immer im Chaos. Denn ich bin die Böse, weil ich doch tatsächlich gewagt habe, krankheitstypisch zu reagieren. Ich bin die Böse, weil ich keine Lösungen erklärt habe. Hätte ich das gekonnt, hätte ich sicherlich nicht professionelle Hilfe im stationären Bereich gesucht.

Ich habe nur noch das Gefühl, man (egal wer) darf mit mir machen was er will. Wenn in der Psychiatrie was falsch läuft, redet man das schön. Wahlweise wird sonst was in die Dokumentation geschrieben. Ich will nie wieder heulend in der Psychiatrie am Boden liegen, die Pflege sieht es und macht null und schreibt noch dazu später in die Doku: Patientin ist freudig und ausgelassen. Mein Vater, den es recht wenig interessiert wie es mir geht, hat mich an dem Tag besucht. Ich fragte ihn fast 2,5 Jahre später, ob er mich fröhlich und ausgelassen erlebt hat. Nein ganz sicher nicht. Ich glaube auch er wird nie vergessen, wie ich ihn anflehte mich da raus zu holen und er total hilflos war, weil er nicht wusste wie.

Und so drehe ich mich weiter im Kreis und erzähl jedem der mich weg sperren könnte fleißig weiter: Tag war gut, mir geht es gut, ich kann mich glaubhaft von Suizidgedanken distanzieren!

 

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