Machtlosigkeit….

Irgendwie beschäftigt mich das seit Tagen, auch wenn es mich nicht direkt betrifft und wohl nie direkt selbst betreffen wird.

Rückblende- ein Klinikaufenthalt vor wenigen Jahren

Eine Mitpatientin. Jung, hübsch, schlank. An sich haben wir uns gut verstanden. Wie das halt ist, wenn man die selbe Erkrankung hat. Wir traten an sich nur zusammen auf.

Die Pflege war ihr auch eher sehr zugetan. U.a. weil sie eben so jung war. Manche Pfleger waren ihr mehr zugetan, weil sie eben auch sehr hübsch ist. Kam auch vor, dass wir beide uns unterhielten, einer der zwei jungen Pfleger dazu kam und man mich mitten im Wort unterbrach und man sich ihr zu wendete. Oder Bezugspflegerwechsel bei uns beiden (vorher hat man uns gesagt, das geht grundsätzlich nicht, dann hat man uns Nachts zwischen Tür und Angel jeweils neue Bezugspfleger zugeteilt)- meiner hat mir immer zu verstehen gegeben, dass er lieber sie gehabt hätte.

Besagte Patientin merkte natürlich auch, dass die beiden Herren naja nennen wir es schwanzgesteuert orientiert gehandelt haben. Irgendwann erzählte sie mir, der eine hätte Nachtschicht gehabt und wäre Nachts bei ihr im Zimmer gewesen und habe zu ihr gesagt, sie soll doch mal aufstehen, damit er sie in HotPants bewundern kann. Für mich eindeutig ein sehr großer Schritt zu weit. Des weiteren hat er sie mehrmals Nachts wach gemacht mit so Worten wie: Wenn ich wach sein muss, kannst du auch wach sein.

Noch während unserem Aufenthalt vertraute ich mich jemand an. Klare Ansage, Patientin soll sich bei meiner Vertrauensperson melden. War keiner der direkt auf Station arbeitet und wir kannten die Person beide. Wollte meine Mitpatientin nicht, auch aus Angst.

Nach ihrer Entlassung erzählte ich die Sache einem anderen Pfleger. Der war stocksauer. Sagte dann aber, er kann nur was machen, wenn sie selbst was sagt. Und sie sei halt eben nun auch entlassen.

Monate später, ich war zu einem ambulanten Termin im Krankenhaus, traf ich sie. Sie sei wieder mal auf Station. Da erzählte sie auch, besagter Pfleger macht wieder ihre Bezugspflege. Man merkte ihr auch klar ihre Angst an. Der Pfleger mit dem ich gesprochen hatte, der hatte leider gerade Urlaub, sonst hätte der was gemacht.

Ich überlegte, wie ich damit umgehen kann. Im Endeffekt kann sie vom Alter her fast meine Tochter sein. Somit sprach ich meinen Therapeuten erst grob an. Therapeut war in dem Fall auch der zuständige Oberarzt. Naja Ende vom Lied, ich erzählte ihm alles. Auch ihn machte das sprachlos. Aber auch er konnte nur handeln, wenn sie was sagt. In der Oberarztvisite hat er wohl zu ihr gesagt, er habe gehört, sie will was mit ihm besprechen. Er hat ihr quasi die Kuppe seines Zeigefingers gereicht- mehr nicht. Sie wusste aber, dass ich es ihm erzählt habe. Aber sie hatte weiterhin Angst, dass sie dafür bestraft wird. Was ich durchaus nachvollziehen kann.

In meinem Umfeld wissen ein paar von der Sache. Also im professionellen Umfeld. Irgendwann wurde ich darauf angesprochen. Ob ich Namen wüsste. Klar weiß ich die. Man hätte da wohl noch einen Fall einer Patientin. Ende vom Lied, auch diese Patientin traut sich nicht was zu unternehmen und allen sind die Hände gebunden. Wobei die Klinik in dem Fall wohl nichts davon weiß.

Letzte Woche plaudere ich mit einer Patientin vorm Haus. Irgendwie meine ich zu ihr, ach du bist ja eh immer auf Station X(nicht die Station von der ich vorhin sprach!) behandelt worden. Sie nur, nicht mehr, seit dem sie einen Pfleger angezeigt hat.

Dort war es wohl so, dass es keine Besprechungszimmer gab. Einer der Pfleger stand daraufhin im Zimmer jüngerer Patientinnen, passender weise immer wenn sie sich umzogen…. er dürfe das, weil er ja Bezugspfleger sei und so weiter. Die Patientinnen hatten auch Angst. Wandten sich aber an eine Mitpatientin. Diese ist dann zur Verwaltung. Ende vom Lied: Es gibt nun ein Besprechungszimmer. Der betroffene Pfleger hat eine Abmahnung bekommen. Mehr ist nicht passiert.

Ich war nur sprachlos. Meinte die Frau die mir die Sache erzählte- der Mann sei seit über 15 Jahren im Haus. Noch dazu Fachkrankenpfleger. Noch dazu haben die Personalmangel. Dem kann man nicht kündigen.

Da werden Pfleger übergriffig gegenüber Patientinnen, die dort unter ihrem Schutz stehen und es passiert absolut NICHTS. Ich war bei meiner „Freundin“ schon sprachlos, dass absolut Null passiert ist. Besagter Pfleger ist dort immer noch. Ich habe keine Sorge, dass mir das mal passieren wird, dazu passe ich einfach in kein Beuteschema. Bin zu alt, zu dick und hässlich. Aber wenn bei so Dingen, die ich persönlich nicht mehr als harmlos empfinde, Null gemacht wird, wie wird dann bei kleineren Sachen gehandelt?

Meine „Freundin“ hat nach einem ihrer Klinikaufenthalte eine Beziehung mit einem anderen Pfleger begonnen. Ich habs auch erst mitbekommen, als die Sache quasi aufflog. Ergebnis: Er musste auf eine andere Station- eine nicht- psychiatrische Station. Auslegungssache, wie man das findet. Sie ist weiter ambulant an die Klinik angebunden gewesen. Ob es noch so ist, weiß ich nicht. Aber die beiden leben immer noch zusammen, so weit ich das weiß. Auf alle Fälle hatte sie die behandelnde Ärztin mal angesprochen wegen einem geplanten stationären Aufenthalt, bevor sie abdreht. Diese hat sich an den Oberarzt gewendet und naja, meine Freundin wird nicht aufgenommen. Begründung: Sie hat eine Beziehung mit einem Pfleger angefangen.

Ich hab ihr noch ein oder zwei Optionen nennen können, wie man sie trotzdem nehmen müsste. Sie will das nicht, da sie Angst hat dann darunter leiden zu müssen, dass man sie hat nehmen müssen. Kann ich verstehen. Mittlerweile wird sie im Notfall wohl aufgenommen- Notfall heißt hier, ihr BMI ist so niedrig, dass es lebensbedrohlich ist.

Leider ist das die einzige Klinik die hier behandelt. So viel zum Thema freie Klinikwahl. Wobei ich die Begründung zum Kotzen finde. Pfleger, die Patienten sexuell belästigen, denen passiert nichts. Patientinnen, die mit einem Pfleger außerhalb!!!! eines Klinikaufenthalts eine Beziehung haben, werden aber bestraft.

Als Patient fühlt man sich machtlos, wenn man von solchen Sachen hört oder sie halt live mitbekommt.

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2 Gedanken zu „Machtlosigkeit….

  1. Naja bei allem Verständnis, aber wenn deine Freundin dazu nur schweigt, kann man gegen den entsprechenden Pfleger nunmal nicht so einfach vorgehen. Außerdem wundere ich mich darüber, dass sie trotz dieser Negativerfahrung letztlich mit einem anderen Pfleger eine Beziehung eingegangen ist, aber gut wo die Liebe hinfällt.

    Persönlich finde ich das übergriffige Verhalten des ersten Pflegers absolut nicht in Ordnung, aber deine Freundin hätte wenigstens einmal den Mund aufmachen müssen, damit man dagegen hätte intervenieren können. Und dass eine offizielle Beziehung zw. Pfleger und Patentin zu den obigen Konsequenzen führen kann, finde ich alles andere als verwunderlich. Mir kommt das ziemlich naiv und unreif vor, anschließend erstaunt darüber zu sein. Insgesamt finde ich schade, dass deine Schilderung hier vorhersehbar in eine überhaupt nicht sachgerechte pseudo-empörte Pauschalfestellung mündet, darüber wie ungerecht die Welt doch ist. Ist das übliche Stammtischniveau, nur in einem anderen Kontext eingekleidet.

    Und zur Klarstellung: Übergriffiges Verhalten in Kliniken – noch dazu in psychiatrischen Einrichtungen sollte selbstverständlich nicht toleriert werden – erst recht nicht aus Personalmangel. Hoffe auch, dass es deiner Freundin mittlerweile besser geht.

    • Ich kann verstehen, wenn man eh zur Krisenintervention dort ist und auch noch körperliche Beschwerden hat, wenn man dann aus Angst den Mund hält.

      Mich verwundert, wenn ein Pfleger und eine Patientin NACH dem Klinikaufenthalt eine Beziehung beginnen, dass nur die Patientin wirklich bestraft wird. Wobei ich an der Stelle beider, generell anders gehandelt hätte. Aber pauschal zu sagen, wir nehmen sie als Patientin nicht, weil sie eine Beziehung zu einem unserer Ex- Pfleger haben und gleichzeitig wird aber übergriffiges Verhalten der Pfleger geduldet- geht mir nicht in den Kopf.

      Ich verurteile Psychiatrie nicht für generell schlecht. Ich habe meine Erfahrungen gemacht, die für mich nicht gut waren. Trotzdem würde ich jedem raten, es selber zu versuchen, weil die Möglichkeit, dass man andere Erfahrungen macht, immer möglich sind oder gar wahrscheinlich sind.

      Mein Grundvertrauen in Psychiatrie (speziell halt der vor Ort) ist ziemlich gestört/ zerstört. Wenn ich dann von solchen Probleme lese, die mich zwar nie selbst betreffen werden…. mich macht das eben sprachlos. Da zu den Sachen die mir passiert sind- naja ich bin eben auch sprachlos und machtlos, weil ich mich kein bisschen wehren kann. Mir aber bei vielem klar ist, dass was passiert ist, ist nicht richtig.

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