Neben sich stehen

Irgendwie stehe ich immer noch neben mir. Gestern war ich bei dem Mensch von der Telefonseelsorge. Irgendwie liefen dann auch nur die Tränen. Aber im Endeffekt muss er sich absichern, was mir durchaus bewusst ist. Aber er war mindestens so nett und hat keine Absprache mit mir erwartet. Ich glaube ihm war klar, dass ich den Spruch eh nur runter rasseln würde.

Heute lief ich eher auf ferngesteuert. Geplant war ein Termin mit meiner Betreuerin, denn wir in die Stadt verlegt hatte. Geplant war, da heute auch eine Veranstaltung der Organisation des Betreuten Wohnens war, zu der ich seit kurzem regelmäßig hingehe, dass sie mich dort hin bringt. Liegt in der Nähe ihres Büros und wir haben den Termin heute extra so gelegt. Mir war das auch wichtig, weil ich es einfach nett finde. Ein wenig wie ein Ritual. Und von der Stadt aus, ist das ein ganzes Stück zu laufen. Wäre das nicht so geplant gewesen, hätte ich mir eine Busfahrkarte geliehen und wäre gefahren.

Ich plante also, ich geh früher aus dem Haus, weil ich noch zur Bank muss. Dann könnte ich noch in einem bestimmten Laden vorbei schauen. Dann treffen mit meiner Betreuerin, dass machen was abgesprochen war. Damit wir pünktlich zum Ende der Stunde vor ihrem Büro sind, könnten wir noch einen Buchladen aufsuchen, weil ich ein bestimmtes Buch wollte und dann noch in Laden X vorbei gehen und dann eine Schleife zu ihrem Büro laufen.

Wir waren das erledigen, waren dann im Buchladen und ich schlug vor, wir laufen nun so und so. Da kam von ihr, nein sie käme nicht mit, sie hätte noch einen Termin in der Stadt und würde in der Stadt bleiben und nicht mehr ins Büro gehen. Ich schluckte innerlich, wandte mich ab und murmelte vor mich hin, so viel zum Thema Absprachen. Sie hat es mitbekommen und meinte nur, ich solle nicht schon wieder alles so eng sehen und so weiter. Das sei kindisch usw.

Auch wenn es doof klingt. Mir fällt das total schwer. Da fand eine Absprache statt, die hieß, wir haben einen Termin zusammen, den wir bewusst so legen, dass sie mich danach zu dem nächsten Termin bringt. Ich habe ihr auch durchaus klar gemacht, dass mir das gut tut. Hätte sie das die Woche schon gesagt oder zumindest irgendwann mal, wäre das was anderes gewesen, als einfach irgendwann zu sagen, ne mache ich nun plötzlich doch nicht mehr. Aber wir hätten ja noch 30 Minuten von unserem Termin. Sehr sinnig, wenn der Termin so geplant war, dass ich direkt!!! im Anschluss quasi am anderen Ort gewesen wäre. Nun aber mitten in der Stadt stand, mit einem wesentlich weiterem Fußweg.

Wisst ihr, ich würde mich gerne in kleinen Dingen sicher fühlen. Wissen, da kann ich mich verlassen. Wenn Kleinigkeiten schon nicht klappen, wie sieht es dann mit schwierigen Sachen aus? Im Endeffekt egal.

Aber da ich ja mein bisheriges Verhalten eh ändern wollte- ich finde es an sich durchaus richtig, seine Bedürfnisse zu äußern und so weiter…. ich nehme es so hin, gehe aber nun erst Recht davon aus, ich kann mich nicht auf sie verlassen. Was ich vorher an sich schon wusste.

Ich habe ihr erzählt, ich hätte am Montag ein Erstgespräch bei einem Therapeuten. Wie ich das gemacht hätte? Ja angerufen. Wo ich den her habe. Ja ich hab gegoogelt. War das eine blaue Seite? Ja war es.

Später fragte sie dann, ob der Therapeut mein Krankheitsbild denn behandeln würde und ob er wäre, wie ich mir das wünsche. Oder ob ich das alles beim Ersttermin erfahren würde. Und naja sei ja gut, dass ich so schnell einen Platz gefunden habe.

Als wir uns verabschiedeten, fiel ihr ein, mich mal zu fragen, ob ich Begleitung brauche. Ich meinte nur, ob sie am Montag arbeitet. Nein natürlich nicht. Sie könnte ja nicht wissen, dass der Termin am Montag ist. Doch habe ich ihr gesagt. Dann hat sie das wohl nicht mitbekommen.

Aber ich war generell irgendwie abwesend. Die ganze Zeit. Lief dann wie fern gesteuert zum nächsten Termin. Weinend, herum irrend. Zum Glück lebe ich hier schon so lange, dass so was meistens klappt. Dort erst mal aufs Klo. Heulen. Leider Klingen daheim vergessen.

Ich rede mir gerade ein, dass Sachen, die ich als schlimm empfinde (gerade was im professionellen Rahmen), nicht schlimm und richtig sind. Für Leute die das Gebiet gar nicht kennen, ich empfinde es auch als richtig, wenn wir Patienten Sachen essen müssen, die andere Patienten vorher abgelutscht haben. Wenn mich das stört, bin ich ja eh zu dick und kann auf die Nahrungsaufnahme verzichten- wie kann ich mich nur so anstellen*tztzttz* (für Kundige- das ist eines der harmloseren Sachen, die mich beschäftigen).

Und nein, mich bringt das gerade kein Stück weiter. Es mag auf andere auch total kindisch wirken. Ich kann aber immer noch nicht verstehen, warum mir keiner erklären kann, warum etwas gelaufen ist, wie es gelaufen ist. Ich kann weiterhin nicht verstehen, warum ich zwar klar formuliere, ich kann damit nicht umgehen, bitte helft mir da raus zu kommen und ich nur als Antwort bekomme, wie böse und schlecht ich bin, weil ich wage was zu hinterfragen, was mir die Lebensgrundlage genommen hat. Ich mache nun einfach was andere wollen. Braves Kind sein. Ich wäre ja schon lange gesund, wenn ich mich an alles gehalten hätte, was man mir gesagt hat.

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