7 Jahre

Heute vor 7 Jahren stand ich das letzte Mal an meinem letzten Arbeitsplatz, bevor alles seinen Lauf nahm.

Im Januar fing ich einen neuen Job an. Schon am Probearbeitstag sagte man mir, ich sei ein schlechter Mensch, weil ich das falsche Sternzeichen habe. Den Job hab ich dann trotzdem genommen, besser als weiter arbeitslos sein. Leider zog sich mein Sternzeichenproblem bis zum Schluss.

Anfangs versuchte ich noch mich weiter zu bewerben, dann kam die Diagnose Krebs bei meiner Mutter. Und das meiste blieb an mir hängen. So blieb ich in dem Betrieb. Am Anfang der Diagnose war es mir egal. Ich dachte oft, was wollt ihr eigentlich und regte mich nicht mehr weiter auf. Der Psychiater fuhr das Antideprissiva hoch und erst mal war es einfach wie es ist. Dann kam der Druck der Familie dazu.

Irgendwann im Oktober fing es an. Schon Ende September waren meine Suizidgedanken enorm. Ok die waren auch vorher nie weg. Aber ich war total eingenommen von meinem Job und der Pflege von meiner Mutter. Das ich irgendwann nur noch dachte, wenn Mama weg ist, dann habe ich keinen Lebensinhalt mehr. Wenn sie geht, gehe ich mit. Usw.

Die Kollegen änderten sich auch. Wobei das generell schwankte. Wenn einzelne miese Laune hatten, musste jemand dran glauben und ich war das schwächste Glied. Eine ganze Zeit lief es dann so, dass die „Kollegin“ die mir an sich zu arbeiten sollte, genau das Gegenteil machte. Ich mehrfach bat, sie soll das sein lassen. Und ich täglich den Ärger dafür einstecken musste. Sagte ich, dass ich das nicht war, war die Hölle los.

Irgendwann sprach ich jemand an, wie ich mich verhalten kann. Ich wollte nur einen Tipp. Man würde die Kollegin ansprechen. Ich sagte, ich wolle das nicht. Man tat es trotzdem. Die besagte Kollegin putzte mich dann Freitag vor Kunden runter. Keiner stand hinter mir. Eine Kollegin sagte später zu mir, sie fand das auch nicht ok, wolle aber nichts sagen. Auch ich versuchte das Gespräch noch mal zu suchen. Keine Chance.

Samstag bin ich nur noch hin, weil ich dachte, kann ich nicht bringen auf einen Samstag und eine Krankmeldung hätte ich wohl auch nirgends bekommen. Es war die Hölle. Alle schwiegen mich an. Besagte Kollegin, auf deren Zuarbeit ich angewiesen gewesen wäre, machte nichts. Dafür wurde ich dann wiederrum runter gemacht.

Ich saß das halbe Wochenende weinend daheim. Schon am Freitag auf der Heimfahrt ging mir nur durch den Kopf, was wäre, wenn ich mit meinem Auto gegen die Brücke fahren würde? Dachte darüber nach, mein Auto stehen zu lassen, meinen Vater anzurufen, er soll mich wo holen. Und ich wusste, er wird es nicht tun. Noch bei Mama gewesen, die jeden Abend wartete. Ich lag heulend in ihren Armen. Papa kam dazu. Was denn los sei. Schon in einem Ton. Und hat mir dann gesagt, ich soll mich nicht so anstellen.

Seit Monaten verletzte ich mich selbst. Damit ich arbeiten gehen konnte. An dem Samstag hoffte ich soooo sehr verzweifelt, dass mir die Wunden nicht durch den Kittel bluten. Gleichzeitig hatte ich das erste Mal den Drang, mich am Arbeitsplatz selbst zu verletzen. Dachte schon darüber nach, wo ich am besten einen Cutter unterbringen könnte.

Sonntag auf Montag kaum geschlafen. Montags zum Glück erst später Dienst. Lange überlegt. Dann zur Hausärztin, die im Urlaub war. Dann zum Psychiater und zum ersten Mal von Selbstverletzung gesprochen. Krankmeldung. Am liebsten hätte er mich in einer Klinik gesehen. Ich wollte aber erst mal zur Ruhe kommen. Nach zwei Wochen habe ich der Klinik doch zugestimmt. Und entschied mich für eine Tagesklinik. Noch während ich dort war, wurde mir gekündigt. Passenderweise erst dann, als die Lohnfortzahlung über Krankengeld der Krankenkasse lief.

Irgendwie macht es mich immer noch traurig. Klar hätte einiges anders laufen können. Klar lag es sicherlich auch an mir. Wobei der geschilderte Vorfall leider nicht der Einzige war.

Außerdem hat Anna heute Geburtstag. Auch wenn sie das nicht Lesen wird: Happy Birthday!

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