Wenn Extreme aufeinander treffen

Nachdem unsere Ergogruppe vor ein Wochen aufgelöst wurde und wir alle stocksauer sind, vor allem über die Art, treffen wir uns nun scheinbar regelmäßig. Ich schlug vor, wir könnten uns ja alle mal zum Kaffee treffen. Was wir auch vier Wochen nach der letzten gemeinsamen Ergostunde gemacht haben. Und uns noch mal verabredet haben. Ok einen Mitpatienten können wir nicht erreichen. Eine sagte für heute ab. Aber die anderen waren da.

Mal abgesehen davon, dass wir eher zufällig wohl über das genialste Cafe vor Ort gestolpert sind, war es sehr nett. Und der Kuchen megalecker. Die anderen beiden waren sehr redselig und an sich fand ein netter Austausch statt. Wobei wir weiterhin keine gute Meinung vom Ende der Ergo haben.

Auf dem Heimweg traf ich eine ehemalige Klassenkameradin. Sie fragte mich nach einem ehemaligem Klassenkameraden. Sie habe eine Todesanzeige gelesen, sei sich aber nicht sicher. Ich hab sie raus gesucht. Er ist es. Und seitdem bin ich einfach nur endlos traurig. Er war ein netter Klassenkamerad, mit dem an sich alle zurecht kamen. Wir haben ein paar Mal nach unserem Abschluss in irgendeiner Form miteinander Kontakt gehabt und der war durchaus angenehm.

Irgendwie hatte ich die Woche mal an ihn gedacht. Mit einem Schmunzeln. Aber irgendwie war gerade er für mich unsterblich. Er ist im Ausland verstorben, wie weiß ich nicht. Aber mir gehen schon Gedanken durch den Kopf. Ich empfinde es gerade total schlimm, dass er so weit entfernt von seiner Heimat verstorben ist. Und mich verwundern solche Gedanken immer wieder.

Ich, der der eigene Tod so was von egal ist. Und da das blühende Leben, denke ich zumindest von ihm. So viele Gedanken. Immerhin hat meine Klasse relativ viele Todesfälle zu verzeichnen. Ein Klassenkamerad, den ich als Jugendliche total toll fand (ok ich war total verknallt), hat sich das Leben genommen. Er, der so viele Freunde hatte- dachte ich zumindest. Er, der soooo angesehen war (zumindest in unserer Klasse). Und so weiter. Und klar die Frage, warum lebe ich noch?

Und am Montag werde ich es Frau Sonnenschein sagen müssen. Und ich hasse dieses, ach Tod und schlimm und bla und so- also eher in dem Zusammenhang, dass dann jeder meint zu verstehen, warum es einem mies geht. Die ganzen typischen Psychofragen, die man dann runter spult: Wie geht es Ihnen damit, Frau verstoert? Was macht es mit Ihnen? Und so weiter. Da zeigt jeder Verständnis.

Da ich generell ja viel Zeit damit verbringe, diverse Situationen, vor allem halt im Bereich meiner Behandlung, Revue passieren zu lassen, denke ich in so Situationen immer daran, wie es nach dem Tod meiner Mutter mit Anna war. Einer meiner unzähligen Aufsätze. Frau Verstoert schreiben Sie mal einen Aufsatz zum Thema X. Klar macht Frau Verstoert ja auch. Ergebnis mit der Trauerbewältigung war damals an sich: Sehen Sie Frau Verstoert, Sie können es eh nicht ändern. Was mich sooo angekotzt hat.

Somit hatte ich dann heute/gestern Beides: Ich war relativ gelöst und endlos traurig und kenne ausnahmsweise für beides auch den Auslöser. Leider.

In Gedenken an meinen Klassenkameraden.

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