Anna

Irgendwie versuche ich gerade meine Lieblingsschleife zu bearbeiten. Schleifen sind bei mir, Erinnerungen etc., die sich um ein Ereignis oder eine Person drehen. Lange gab es zwei Standardschleifen: Die Anna- Schleife und die Schleife letzter Klinikaufenthalt. Mittlerweile vermischt sich alles zu einer Schleife und das Schlimme daran ist, ich bekomme diese Schleife nicht zerlegt und erst Recht nicht aus meinem Kopf.

Den Namen habe ich natürlich geändert. Zum Schutz aller Beteiligten? Oder um selber keinen Ärger zu bekommen? Wobei die Story im Endeffekt, in allen möglich Facetten, sehr viele aus meinem professionellen Umfeld, kennen.

Anna dürfte bei mir wohl das Synonym für die fehlende Nähe- Distanz- Konstellation sein. Nicht die erste Person, bei der das Problem auftritt und leider auch nicht die Letzte. Aber die intensivste.

Anna, die ich natürlich sonst mit Frau und Nachname anspreche, auch selber an sich nicht dazu neige, von ihr als DU zu denken…. aber irgendwie finde ich es gerade passender, weil das persönliche Anna auch irgendwie sehr viel zeigt.

Als ich das erste Mal eine psychiatrische Station erlebt habe (noch oder während der Zeit dessen, was man wohl Diagnosestellung nennt), war eine Frau im Team, zu der ich eine relativ enge Beziehung aufbauen konnte. Sie hörte zu, ich schätzt sie und so weiter. Nur doof, dass sie nicht Psychotherapeutin war, noch dazu ihre Ausbildung gerade beendet hatte (ich also eher der erste schwierige Fall war) und noch dazu die Klinik damals nicht auf Borderliner eingerichtet war. Die Beziehung endete im Chaos. Mit einem Kontaktverbot, welches uns Beiden gegenüber ausgesprochen wurde.

Heute weiß ich, dass wir wohl Thema im Team waren, weil sie einfach überfordert war und man uns eben mehr oder weniger getrennt hatte, um sie zu schützen. Schade das man mir gegenüber das damals nicht kommuniziert hat. Mir wurde damals gesagt, ich rede nicht genug. So suchte ich mir eben jemand, dem ich mich anvertrauen konnte. Noch dazu war sie eine der Personen die offiziell als Bezugsperson genannt waren. Und nun trennte man uns? Man sagte mir, dass sie nicht für mich zuständig sei usw. Ich verstand damals die Welt nicht mehr. Mal davon abgesehen, dass Zeitgleich noch andere Dinge schief liefen. Ich hab auf alle Fälle unter dem Kontaktverbot mehr als gelitten. Auch lange, nach dem ich nicht mehr dort war. Habe jahrelang versucht, die Station auf der sie tätig war, zu meiden.

Über zwei Jahre später war der erste vollstationäre Aufenthalt fällig. Mir war eh alles egal, ich wusste nur, daheim überlebe ich nicht mehr lange. Bat meine damalige Betreuerin mich in eine Klinik zu bringen, egal wohin. Tat sie dann auch.

Dort lernte ich Anna kennen. Heute denke ich oft, LEIDER. Erst war ich vorsichtig. Vertraute nicht und so weiter. Redete kaum, heulte aber viel. Vor allem in ihrem Beisein, aber wenig vor dem restlichen Team. Eines der erste Dinge die ich erzählte, war die Story von meinen ersten Erfahrungen mit Psychiatrie. Damals war mir noch nicht klar, dass ich ein Nähe- Distanz- Problem habe. Heute denke ich, an Hand meiner Erzählung, wäre das jedem ausgebildetem Therapeuten aufgefallen. Außerdem erzählte ich halt, welche Probleme ich mit der Organisation der Station damals hatte, weil die eben nicht auf Borderline eingerichtet waren und ich mich nur noch als Versuchskaninchen fühlte. Etwas was ich nie wieder sein wollte. Heute denke ich, spätestens hier hätte Anna Stop sagen müssen.

Anna wurde mir quasi als Therapeutin vorgestellt. Nur war sie noch in der Ausbildung. Was ein generelles Problem hier an der Klinik ist. Ich wusste damals schon mehr über Borderline, DBT und Skills als sie. Anna, die gerade in der DBT- Schulung war.

Für mich zählte damals Ausbildung weniger. Ich musste mit dem Menschen auskommen. Das solche Gedankengänge in die Hose gehen können, weiß ich leider heute auch und es tut verdammt weh. Erst gute drei Jahre nach dem Erstkontakt wurde mir bewusst, dass sie noch in der Ausbildung ist.

Ich hab sie damals schätzen gelernt. Sie war da. Sie hat mir zugehört. Sie hat mich ernst genommen (auch wenn sie oftmals nichts ändern konnte). Sie hat sich Zeit genommen. Alles Sachen die ich vorher nicht wirklich kannte. Trotzdem hielt ich Abstand.

Vier Wochen später war ich wieder in der Klinik. Diesmal abgesprochen zur Therapie. Damals wurde mir zum ersten Mal unbewusst klar, da ist mehr als sein dürfte. Was ich ihr auch irgendwie mitteilte. So was in der Art wie, sie reicht mir den kleinen Finger und ich würde gerne den ganzen Arm mit dem Menschen dran nehmen. Mir aber klar sei, dass ich das nicht darf. Doch das darf ich.

Ich möchte hier einen Cut machen für Heute. Ich vermisse Anna schrecklich. Die Gedanken drehen sich permanent um sie und mich. Um unsere Geschichte, wenn man es so nennen darf. Und gleichzeitig wünschte ich mir, ich wäre ihr nie begegnet.

 

 

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