Der Ernst des Lebens beginnt wieder

Ab Heute kommt wieder ein wenig Struktur in meine Woche. Zumindest ist die Sozialarbeiterin wieder da und meine Haushaltshilfe auch. Betreuerin ist ab Ende der Woche zumindest telefonisch zu erreichen.

Ansonsten bin ich eher komisch drauf. Mir macht klar der Termin mit der Sozialarbeiterin Gedanken. Ich glaube ich sollte mich endlich entscheiden. Entweder klar ja zur Klinik sagen oder eben nein zur Klinik sagen. Wobei ich auch bei einem ja nicht mehr wirklich offen mit ihr sprechen würde. Ich frage mich nur immer mehr, was mir das bringt. Auf der anderen Seite möchte ich es auch nicht einfach beenden, denn es tut mir ja auch zeitweise gut. Oder belüge ich mich gerade selbst?

In dem Zusammenhang dreht sich auch mal wieder alles um meinen letzten Klinikaufenthalt. Somit auch wieder um Anna. Wobei ich mir an sich vorgenommen habe, meiner Betreuerin halt zu sagen, dass ich gerade gedanklich mal wieder nicht von ihr los komme.

 

 

Irgendwie bin ich durch den Wind. So nichts halbes und nichts ganzes. Aber einen enormen Schneidedruck. Für den ich an sich noch nicht mal Auslöser hätte.

Die Ferienzeit meines Betreuungsnetzes ist fast rum. Am Montag steht der erste Termin mit der Sozialarbeiterin wieder an. Dafür das sie für mich mal ein sehr wichtiger Bezugspunkt war, habe ich nur noch Angst vor dem Termin. Vor ihr weniger oder? Ich weiß es nicht mehr. Weiß nicht mehr, über was ich bei ihr sprechen darf und was nicht.

Meine Haushaltshilfe kommt am Dienstag. Der erste richtige Termin. Ich hab in den letzten zwei Wochen nichts wirklich geschafft. Ok ich hab ja das Wochenende noch. Gerade kann ich mein Wohnzimmer nicht mehr ertragen. Habe aber keine Ahnung wo anfangen. Keine Ahnung, wie ich ihr das vermitteln kann. Ich bräuchte Ideen. Helfen kann sie an sich nicht wirklich.

Meinen Schlafrhythmus, den es eh nicht wirklich gibt, habe ich auch total durcheinander gebracht. Irgendwie gehe ich erst gegen 4 Uhr ins Bett. Stehe dementsprechend spät auf. Ok heute habe ich den Wecker mal auf 11 Uhr gestellt. Die letzten Tage war es teilweise später. Trotzdem bin ich Abends vorm Fernsehen tot müde. Wenn ich meine Termine nächste Woche einhalten möchte, muss ich wieder früher ins Bett, was sich als schwierig gestaltet.

Irgendwie mag ich mich gerade mal wieder selbst nicht leiden. Nichts Neues.

Anna und der Tod

Irgendwie ist der Titel gerade passend, aus so vielen Gründen.

Als ich Anna damals kennen lernte, war der Auslöser für den Klinikaufenthalt an sich massive Suizidgedanken. Meine Mutter war ein paar Wochen vorher gestorben. Was mich sehr belastet hat. U.a. auch, weil sie lange krank war und für alle aber eher plötzlich starb. Für mich war es nicht so plötzlich. Aber das ganze drumherum. Inklusive diverser indirekter Vorwürfe, dass sie ja nur wegen mir so krank war. Das sie nur wegen mir in einem Hospiz war. Und so weiter. Und ich schon Monate vor ihrem Tod an sich darüber nachdachte, wenn sie geht, gehe ich auch. Was im Endeffekt auch halbwegs Auslöser war, dass es überhaupt eine Diagnose gab.

Ich kam also in das Krankenhaus, wegen meiner Suizidgedanken- gekoppelt mit der Trauer um meine Mutter. Ich, ein eher misstrauischer Mensch, der zugleich auch absolut naiv ist. Aber an sich wenig von mir Preis gab. Hinzu kamen die schlechten Erfahrungen von meinem Psychiatrieerstkontakt.

Ich durfte während des Aufenthalts auch einen Aufsatz schreiben zum Thema, was ich meine Mutter gerne noch fragen würde. Ergebnis des Aufsatz war, ich kann es nicht ändern. Im Endeffekt Annas Aussage. An der ich zerbrach und ihr gegenüber das Thema nie wieder ansprach.

Schnell war klar, ich habe Suizidgedanken. Die waren dann auch Thema beim zweiten Aufenthalt. Zu dem war ich ja an sich zur Therapie. Anna kannte ich. Anna vertraute ich halbwegs. Anna war nett. Anna nahm sich Zeit. Rückblickend betrachtet, hat sie enorm viel Zeit bei mir verbracht.

Ich wusste damals nicht, wie ein Aufenthalt in der stationären Psychiatrie abläuft. Aber es dauerte nicht lange, bis sie mir vorwarf, sie würde ja mehr Zeit bei mir, als bei anderen zubringen. Bzw. andere bekommen nicht so viele Gespräche. Woher hätte ich das wissen sollen? Ich ging ja davon aus, das ist ein Krankenhaus, die machen das schon.

Den Aufenthalt durfte ich ebenfalls mit einem Aufsatz beginnen. Thema war, warum ich sterben möchte. Ich brachte es damals auf um die 14 Seiten- handschriftlich. In den Wochen vor dem Aufenthalt dachte ich generell viel über den Tod nach. Das nicht mehr Leben wollen. Hatte in dem Zusammenhang dann auch eine Pro- und Kontraliste angefangen. Auf der Liste für den Tod standen damals über 30 Gründe. Aber ich fand nur 3 oder so, die dagegen sprachen. Beides lag Anna damals vor.

Ich vermute, Anna hat alles gelesen. Zumindest steht in dem Aufsatz eine Frage von ihr. Darüber gesprochen haben wir nie. Auch hier dachte ich, wird schon seinen Grund haben. Konnte es mir bei folgenden Aufenthalten auch nicht verkneifen, eben zu „erwähnen“ (ok sticheln trifft es eher), dass man mit mir darüber nicht gesprochen hat.

Während einer meiner „Fragen“, warum das nie besprochen wurde, schallte mir ein, wir hätten das besprochen entgegen. Ich würde das weiter abstreiten. Und ich würde mir wünschen, wir hätten darüber gesprochen. Würde manches vielleicht erleichtern. U.a. auch, dass von allen Seiten natürlich davon ausgegangen wird, das Thema ist ausführlich behandelt worden.

Ich merkte bei dem zweiten Aufenthalt schon, da ist irgendwas anders. Die Sache wurde mir nicht gerade erleichtert. Ich darf ruhig den kleinen Finger nehmen und so weiter. Nach dem Aufenthalt war mein komplettes damaliges ambulantes Netz im Urlaub und Anna bot mir Telefonate an. Die ich ablehnte. Einfach weil es mir peinlich war, glaubte ich damals. Sie drängte sie mir dann regelrecht auf. Und ich lebte nur für diese Telefonate. Die waren heilig. Mehr als heilig.

Als meine ambulante Therapeutin aus dem Urlaub wieder da war, wusste ich, meine Gefühle für Anna sind anders. Wusste auch, das muss ich in der Therapie ansprechen. Schämte mich. Sagte den Termin ab. Den nächsten dann auch. Was meine ambulante Therapeutin nur mit einem, sie streicht mich, denn sie hat ja wegen mir und auf meinen Wunsch eine festen Termin gemacht. Was nicht den Tatsachen entsprach. Ich soll mich melden, wenn ich wieder einen Termin will.

Ich musste mich melden, weil die Krankenkassenkarte noch nicht eingelesen war. Da sagte ich ihr auch (ich war nur zum Karte einlesen dort), dass ich ihre Art nicht gut fand. Daraufhin gab es einen Termin zur Klärung. Der ziemlich mies verlief.

Mich beschäftigt Anna weiterhin sehr. Und so ausführlich und doch nicht zu sehr ins Detail gehend, habe ich darüber auch noch nie geschrieben. Ich wünschte mir so sehr, sie hätte unter anderem mal über Suizidalität mit mir gesprochen. So richtig. Immerhin hatte sie mir damals nicht verboten darüber zu sprechen. Das hatten vorher andere. Sie war der erste Mensch der mir sagte, ich darf über Suizidalität sprechen. Sie ist leider auch der einzige Mensch aus dem Bereich der Psychiatrie, der das je zu mir gesagt hat.

Ich wünsche mir so sehr zurück, wie ich Anna damals erlebt habe. Ihre Ruhe, die sie ausstrahlte. Das Gefühl, ernst genommen zu werden. Das Gefühl, reden zu dürfen. Und mich sicher zu fühlen.

Anna

Irgendwie versuche ich gerade meine Lieblingsschleife zu bearbeiten. Schleifen sind bei mir, Erinnerungen etc., die sich um ein Ereignis oder eine Person drehen. Lange gab es zwei Standardschleifen: Die Anna- Schleife und die Schleife letzter Klinikaufenthalt. Mittlerweile vermischt sich alles zu einer Schleife und das Schlimme daran ist, ich bekomme diese Schleife nicht zerlegt und erst Recht nicht aus meinem Kopf.

Den Namen habe ich natürlich geändert. Zum Schutz aller Beteiligten? Oder um selber keinen Ärger zu bekommen? Wobei die Story im Endeffekt, in allen möglich Facetten, sehr viele aus meinem professionellen Umfeld, kennen.

Anna dürfte bei mir wohl das Synonym für die fehlende Nähe- Distanz- Konstellation sein. Nicht die erste Person, bei der das Problem auftritt und leider auch nicht die Letzte. Aber die intensivste.

Anna, die ich natürlich sonst mit Frau und Nachname anspreche, auch selber an sich nicht dazu neige, von ihr als DU zu denken…. aber irgendwie finde ich es gerade passender, weil das persönliche Anna auch irgendwie sehr viel zeigt.

Als ich das erste Mal eine psychiatrische Station erlebt habe (noch oder während der Zeit dessen, was man wohl Diagnosestellung nennt), war eine Frau im Team, zu der ich eine relativ enge Beziehung aufbauen konnte. Sie hörte zu, ich schätzt sie und so weiter. Nur doof, dass sie nicht Psychotherapeutin war, noch dazu ihre Ausbildung gerade beendet hatte (ich also eher der erste schwierige Fall war) und noch dazu die Klinik damals nicht auf Borderliner eingerichtet war. Die Beziehung endete im Chaos. Mit einem Kontaktverbot, welches uns Beiden gegenüber ausgesprochen wurde.

Heute weiß ich, dass wir wohl Thema im Team waren, weil sie einfach überfordert war und man uns eben mehr oder weniger getrennt hatte, um sie zu schützen. Schade das man mir gegenüber das damals nicht kommuniziert hat. Mir wurde damals gesagt, ich rede nicht genug. So suchte ich mir eben jemand, dem ich mich anvertrauen konnte. Noch dazu war sie eine der Personen die offiziell als Bezugsperson genannt waren. Und nun trennte man uns? Man sagte mir, dass sie nicht für mich zuständig sei usw. Ich verstand damals die Welt nicht mehr. Mal davon abgesehen, dass Zeitgleich noch andere Dinge schief liefen. Ich hab auf alle Fälle unter dem Kontaktverbot mehr als gelitten. Auch lange, nach dem ich nicht mehr dort war. Habe jahrelang versucht, die Station auf der sie tätig war, zu meiden.

Über zwei Jahre später war der erste vollstationäre Aufenthalt fällig. Mir war eh alles egal, ich wusste nur, daheim überlebe ich nicht mehr lange. Bat meine damalige Betreuerin mich in eine Klinik zu bringen, egal wohin. Tat sie dann auch.

Dort lernte ich Anna kennen. Heute denke ich oft, LEIDER. Erst war ich vorsichtig. Vertraute nicht und so weiter. Redete kaum, heulte aber viel. Vor allem in ihrem Beisein, aber wenig vor dem restlichen Team. Eines der erste Dinge die ich erzählte, war die Story von meinen ersten Erfahrungen mit Psychiatrie. Damals war mir noch nicht klar, dass ich ein Nähe- Distanz- Problem habe. Heute denke ich, an Hand meiner Erzählung, wäre das jedem ausgebildetem Therapeuten aufgefallen. Außerdem erzählte ich halt, welche Probleme ich mit der Organisation der Station damals hatte, weil die eben nicht auf Borderline eingerichtet waren und ich mich nur noch als Versuchskaninchen fühlte. Etwas was ich nie wieder sein wollte. Heute denke ich, spätestens hier hätte Anna Stop sagen müssen.

Anna wurde mir quasi als Therapeutin vorgestellt. Nur war sie noch in der Ausbildung. Was ein generelles Problem hier an der Klinik ist. Ich wusste damals schon mehr über Borderline, DBT und Skills als sie. Anna, die gerade in der DBT- Schulung war.

Für mich zählte damals Ausbildung weniger. Ich musste mit dem Menschen auskommen. Das solche Gedankengänge in die Hose gehen können, weiß ich leider heute auch und es tut verdammt weh. Erst gute drei Jahre nach dem Erstkontakt wurde mir bewusst, dass sie noch in der Ausbildung ist.

Ich hab sie damals schätzen gelernt. Sie war da. Sie hat mir zugehört. Sie hat mich ernst genommen (auch wenn sie oftmals nichts ändern konnte). Sie hat sich Zeit genommen. Alles Sachen die ich vorher nicht wirklich kannte. Trotzdem hielt ich Abstand.

Vier Wochen später war ich wieder in der Klinik. Diesmal abgesprochen zur Therapie. Damals wurde mir zum ersten Mal unbewusst klar, da ist mehr als sein dürfte. Was ich ihr auch irgendwie mitteilte. So was in der Art wie, sie reicht mir den kleinen Finger und ich würde gerne den ganzen Arm mit dem Menschen dran nehmen. Mir aber klar sei, dass ich das nicht darf. Doch das darf ich.

Ich möchte hier einen Cut machen für Heute. Ich vermisse Anna schrecklich. Die Gedanken drehen sich permanent um sie und mich. Um unsere Geschichte, wenn man es so nennen darf. Und gleichzeitig wünschte ich mir, ich wäre ihr nie begegnet.

 

 

Unfähig….

Verstoert trifft es heute.

Zu spät ins Bett, was ja an sich nichts Neues ist. Aber mehrfach wach gewesen, wegen einem Wadenkrampf. Das ist relativ neu. Nur doof, wenn die längste Schlafphase für mich zu kurz war. Ich konnte zwar ausnahmsweise wieder einschlafen, aber irgendwie ist das dann kein wirklicher Schlaf mehr.

Dementsprechend fühle ich mich heute. Wie nach einem Saufgelage. Nur trinke ich gar keine Alkohol. Und der Tag plätscherte eher vor sich hin. Mit Mühe aufgerafft in die Stadt zu gehen, um was zu besorgen. Leider erfolglos.

Ich mag mich gerade selbst gar nicht leiden. Wirklicher Selbsthass ist es noch nicht, aber Hass trifft es. Ich hasse, was ich bin. Was aus mir geworden ist (hier frage ich mich nur, ob ich je anders war). Fühle mich minderwertig. Und am meisten hasse ich meine Unfähigkeit was zu ändern.

Die Nacht vorm Heizungsmenschen

Doch um 9.30 Uhr aufgestanden. Hätte ich mir schenken können. Es ist fast 13 Uhr und der Heizungswartungsmensch ist nicht zu sehen. Ich liebe es.

Die Nacht war eher schwierig. War eh schon spät. Ich lag im Bett und war nur am Grübeln. Keine Chance da auszusteigen. Gedanken an den letzten Klinikaufenthalt. Obwohl es nur Gedanken an einen der kleineren Super Gaus war.

Erinnerungen

Neue Station, neue Pflege. Etwas was generell schwer für mich ist. Ich einiges versuchte, mit der Pflege warm zu werden.

Im Vorfeld gegen alles Mögliche impfen lassen. Inklusive der umstrittenen Schweingrippeimpfung. Und was passiert? Es gibt eine andere Erkrankung. Zimmerquarantäne für 48 Stunden für alle. Meine Zimmernachbarin ging daraufhin, was mein Glück war. Somit Einzelzimmer. Bastelzeug dabei gehabt, Bücher und iPod. Das war es. Die Pflege ließ sich kaum sehen, Therapeutin kam aber täglich für 30 Minuten oder so.

Quarantäne endlich rum. Statt 20 Patienten sind wir nur noch 13. Die anderen haben sich entlassen oder wurden eh entlassen. Also kleine, beschauliche Runde.

Irgendwann bekomme ich mit, die Zimmer müssen gewechselt werden, damit man die Reinigen kann. Wegen der Quarantäne. Ich hab damit ein großes Problem. Ich brauche Sicherheit, habe versucht die in dem Zimmer zu finden. Ein Umzug wäre die Hölle. Ich spreche daraufhin mit mehreren Personen der Pflege. Erkläre, warum ich in dem Zimmer bleiben will. Erkläre sehr ausführlich und das mehrfach. Biete an, ich kann auch einen Tag aus dem Zimmer draußen bleiben und so weiter.

Die Nacht ist mies. Ich stehe auf, bitte um Schlafbedarf. Der Nachtpfleger fragt, ob ich erst den anderen Bedarf will. Meinen Tagesbedarf hatte ich mir immer für Nachts aufgespart, um auf mehr Schlafmittel zu verzichten. Ich nehme den Tagesbedarf. Es ist kurz nach 12 Uhr. Danach kann ich halbwegs schlafen.

Nächster Morgen. Zwischen Morgenrunde und Laufrunde sucht mich eine Schwester. Ich eh noch nicht ganz wach. Ich müsste in Zimmer X umziehen. Heute noch. Ich hätte bis 12 Uhr Zeit. Kein Angebot mir zu helfen. Nichts. Eher im Kommandoton, machen sie mal Frau verstoert.

Im Normalfall wird halt das Zeug aufs Bett gepackt und in ein anderes Zimmer geschoben. Geht ja aber nicht, weil Quarantänezimmer. Also alles Einzeln tragen. Ich hatte massig Zeug. Das rüber räumen war kein Problem. Aber das Gefühl, rum geschoben zu werden, die mühsam erlangte Sicherheit aufzugeben. Von der Pflege ließ sich keiner blicken. Bis ich fertig war, war ich nur noch am Heulen. Fühlte mich sooooo allein gelassen.

Therapeutin kommt, fragt was los ist. Redet so lange auf mich ein, bis ich Rede. Unter Tränen versuche ich zu erklären. Sage auch klar, ich kann verstehen, dass die Pflege viel Arbeit hat (hatte ich am Rande mitbekommen). Aber mich einfach stehen lassen und so. Ich hätte eh keine Hilfe angenommen. Aber es wäre schön gewesen, wenn man sie mir angeboten hätte. Sie wird sauer und meint nur, ich müsste halt mehr kommunizieren. Das hat gesessen. Dann rauschte sie ab. Wie oft hätte ich es vorher! erklären müssen?

Die Therapeutin sagte mir dann auch, da ich erst gegen 2 Uhr Nachts den Tagesbedarf bekommen habe(hat die Nachtpflege so dokumentiert), wird der heute abgezogen. Meine erste Dosis hatte ich da schon. Sie meinte, wenn es gar nicht anders geht, lässt man halt den Arzt vom Dienst kommen und der soll mir mehr geben. Ich kämpfe mich durch den Tag. Irgendwann denke ich nur, was solls, ich nehme nun den letzten Bedarf, bringt nichts mit aufschieben. Gehe zur Pflege. Dort werde ich gleich angepampt, mir soll klar sein, dass ist der letzte Bedarf, man würde wegen mir keinen Arzt vom Dienst kommen lassen. Ich sprach den Nachtpfleger wegen der Zeit an. Ja er war sich nicht mehr sicher oder so. Aber wenn ich mehr Bedarf brauch, gibt er mir den trotzdem. Naja nachts brauchte ich den Tagesbedarf dann auch nicht mehr. Ab da habe ich den Tagesbedarf auch nicht mehr zum Schlafen aufgehoben und mich lieber mit Zopiclon abschießen lassen. Wobei ich den Zopiclon Bedarf auf der Station bis zwei Uhr bekommen hätte. Warum rechnet man dann aber den Tagesbedarf bis 12 Uhr? Ich verstehe es bis heute nicht.

Da das nicht der einzige Quarantänefall blieb- in allen anderen Fällen wurden die Mitpatienten beim Umzug gefragt, ob man helfen soll. In einem Fall konnte die Patientin im Zimmer bleiben. Man brachte ihre Sachen raus, Zimmer wurde gereinigt und danach durfte sie wieder rein.

Zusammengefasst: Ich hab mehrfach klar gesagt, was ich brauche. In dem Fall, eben kein Umzug. Da das angeblich nicht anders ging. Ich habe klar formuliert, dass mir das Probleme macht. Hätte man sich da nicht zumindest mal mit nachsehen und nachfragen drum kümmern können? War ja auch sichtbar, dass ich nur am Heulen war. Statt dem schickt man dann die Therapeutin vor, die eh nur eine halbe Stelle hatte und am Nachmittag ging.

Urlaub….

Momentan ist ja jeder aus meinem Netz der Helfenden im Urlaub, selbst die Leute, die nicht direkt zum Netz gehören. Und irgendwie bekomme ich es nicht geregelt, Struktur rein zu bringen, wenn die festen Termine weg fallen. Tagesstruktur ist ja eh nicht mein Ding, aber es fällt gerade alles weg.- Irgendwie gerade kein Urlaub für mich.

Als ich eine ähnliche Situation im Frühjahr hatte- da will ich irgendwie nicht mehr hin. Die Tage bestanden aus spät ins Bett gehen, spät aufstehen, mit Schlafmittel zuschmeißen (ok die Dosis war abgesegnet), ein bisschen Online sein, wieder ins Bett gehen und Lesen (wahlweise auch heulen), ein bisschen Internet, Fernsehen, Internet, spät ins Bett gehen.

Samstag traf ich meinen Vermieter im Hausflur. Gut das er mich treffen würde, am 19. käme die Firma zur Heizungswartung. Ja ok. Ob es reicht, wenn ich ab 10 Uhr da bin? Komische Reaktion. Naja was solls. Irgendwie immer witzig. Er hat ein Problem mich zu erreichen. Ich bin in der Woche maximal 20 Stunden aus dem Haus. Ich wohne über ihm, er müsste mich an sich ja mal hören. Briefkasten habe ich auch. Telefonnummer hat sich auch nie geändert. Aber ok. Und ich verstehe nicht, warum ich ab sagen wir 7 Uhr hier sitzen und warten soll, wenn der Handwerker dann frühestens um 12 Uhr zu mir kommt. Ich plane mal gegen 10 Uhr aufzustehen. Ich wette aber, dass ich beim ins Bett gehen heute Nacht doch wieder grüble, ob früher nicht besser ist und mich dann morgen wieder ärgere.

Generell schwanke ich gerade zwischen keine Ahnung was. Am Samstag drehten sich die Gedanken wieder mal um Erinnerungen. Ich bin so wütend und damit dann auch verstört. Ich kann das was passiert ist nicht ändern. Schade nur, dass man mir immer wieder entweder sagt, dass ist nicht passiert oder ich sei schuld dran.

Die Gedanken drehten sich auch um die neue Psychiaterin. Bzw. deswegen kochten alte Gedanken hoch. Wie weit ihr sagen, dass ich scheinbar ein Problem mit Nähe und Distanz habe? Bisher hat das vorher sagen auch nichts gebracht. Als das Kind in den Brunnen gefallen war, hat man mich mit den Problemen alleine gelassen.

Immerhin ist die Küche nun aufgeräumt. In die Bücherei will/muss ich die Woche noch. Bei der Frauenärztin sollte ich auch mal vorbei schauen. Ich trau mich ja nicht anzurufen. Und ich könnte mal das Wagnis auf mich nehmen, zu Ikea zu fahren.
Ich sollte die Tage ohne Druck genießen. Mache mir aber selbst Druck, dass ich nicht nur abhängen kann. Aber irgendwie auch keine Kraft, größere Aktionen zu planen.

Zu perfekt?

Der Termin bei dem Mann der Telefonseelsorge war auch ziemlich gut. Ich wünschte mir, irgendeiner der vielen Menschen aus meiner bisherigen „Laufbahn“, hätte Dinge mal auf die Art hinterfragt. Und dafür das er „nur“ evangelischer Pfarrer ist, mit einer Weiterbildung zum Seelsorger, wusste er relativ viel über die Materie. Skillsgruppen waren ihm ein Begriff und er weiß sogar was Schematherapie ist. Schematherapie ist ja eher neu und den meisten muss ich das erklären.

Meine Betreuerin scheint mich am Dienstag recht gut gefunden zu haben. Sie meinte heute, ich hätte gut erklärt. Auch wenn viele Sätze damit anfingen, dass ich halt so Sachen sagte wie: Es sei mir bewusst, dass ich nur ziemlich provokant sei und so. Zum Thema Klinik hält sie sich aber irgendwie generell bedeckt. Irgendwie wäre mir eine klare Ansage von ihr, dass sie die Klinik generell doof findet (von mir aus auch gut), lieber.

Außerdem versucht sie mich ja zurzeit zu diversen Gruppenangeboten über das betreute Wohnen zu prügeln animieren. So landete ich heute in einer Schreibwerkstatt und konnte damit vorher wenig anfangen. Große Befürchtung ich muss meine Gefühle nun in Gedichte packen. Das muss ich nicht. Auch sonst war die Gruppe angenehm.

Ich mache mir ein wenig Gedanken um die Psychiaterin. Ich neige dazu zu klammern. Und wenn dann richtig. Bisher endete das immer bitter für mich. Offiziell ausgesprochene Kontaktverbote für Beide usw. Also ohne mal zu hinterfragen, was da gerade los ist oder so. Ohne mir mit dem Problem zu helfen. Wobei es mir „früher“ noch nicht mal wirklich bewusst war. Mittlerweile ist es das und ich ziehe eher zu früh die Reißleine. Sprich ich sehe zu, keinen Kontakt aufzubauen.

Mir ist aufgefallen, dass ich in einer Situation immer zum Klammern neige. Wenn es mir wirklich mies geht und man reicht mir den kleinen Finger, mit dem Hinweis, ich kann auch die Hand nehmen. Ist die Beziehung vorher distanziert gewesen, kommt es zu dem Problem nicht. Da es mir aber allgemein psychisch eher mies geht, eignet sich die Psychiaterin gerade ideal. Eben weil auch andere Dinge einfach passen. Keine Ahnung wie ich damit umgehen soll. In meiner Akte ist an sich ein dicker und fetter Hinweis auf die Problematik. Nicht weil ich das wollte, sondern weil der Arzt vorher das wollte. Mit ihm gab es das Problem in der Ausprägung aber nie.

Irgendwie läuft sonst alles irgendwie zu glatt, habe ich das Gefühl. Ok die nächsten zwei Wochen bin ich quasi alleine, weil Sozialarbeiterin und Betreuerin im Urlaub.

Es gibt auch nette Psychiaterinnen

Gestern stand ja der zweite Termin bei meiner neuen Ärztin in der PIA an. Davor hatte ich ziemlich Angst. Aus vielerlei Gründen, hauptsächlich auch aus den schlechten Erfahrungen heraus, die ich in dem Haus bisher sammeln durfte. Wobei das Thema ja zumindest schon vorgegeben war. Immerhin wurde mir ja gesagt, die Ärztin würde mit mir über weitere Therapieangebote der Klinik sprechen.

Dem Wunsch mich selbst zu verletzen bin ich schon die Nacht vorher nachgekommen. Auch vor dem Termin noch. Aber irgendwie gerade alles nicht wirklich befriedigend. Klingt so doof- klar ist SVV doof und so und das weiß ich an sich auch. Da bringt das Wissen, ich schneide eh nicht tief, auch nichts mehr.

Dann stand ich vor der Klinik und wartete auf meine Betreuerin. Die ist nie pünktlich. Hatte ihr aber schon gesagt, dass sie doch um 13 Uhr da sein sollte, wenn um 13.15 Uhr der Termin ist. Und sie kam nicht und kam nicht und ich war immer aufgelöster. Angst mal wieder allein gelassen zu werden. Da tauchte sie dann doch noch auf.

Keine Ahnung, welche Erwartungen an sie mich hat. Ich halte es für relativ sinnlos, 5 Minuten vor dem Gespräch mit mir noch besprechen zu wollen, was der Inhalt des Termins sein soll.

Der Termin war wundersamer Weise relativ ok. Trotz Redeverbot über den letzten Klinikaufenthalt, durfte ich darüber sprechen. Oder nicht direkt, aber es bleibt nun mal nicht aus, dass ich darüber spreche. Diente an manchen Stellen sicherlich auch eher der Erklärung, warum ich so rum zicke. Wobei sie sehr viel Verständnis zeigte. Irgendwie scheinen ihr ein paar Sachen an der Klinik auch komisch zu sein.

Da sie aber auch erst seit ein paar Monaten da arbeitet, bleibt ihr nur übrig, sich zu wundern. Das Therapieangebot ist auch nicht wirklich der Bringer. Depressionsgruppe. Ich gleich, ich hab ja keine Depressionen. Sie meint aber, ich hab Depressionen. Immerhin etwas. Auch wenn Diagnosesammeln doof ist, finde ich es sinnvoll, alle „Kinder“ beim Namen zu nennen und die sich einzeln vorzunehmen. Ach ja die Gruppe machen Psychologen im Praktikum. Was für mich auch heißt, da wird ein ständiger Wechsel drin sein. Etwas was ich nicht möchte- ich brauche gleiche Ansprechpartner. Noch dazu sind meine Erfahrungen mit PiP ein Thema für sich. Klar müssen die lernen usw. Aber ich habe ebenfalls keine Lust mehr dazu, als Übungsobjekt zu dienen. Die Fehler die gemacht werden, die bügelt dann nämlich keiner aus.

Eine Vorbereitungsgruppe für eine Skillsgruppe. Jubel Trubel Heiterkeit. Wenn ich Skillsgruppe höre, liege ich schon eher bitter lachend unterm Tisch. Aber irgendwie gerade keine Lust, dass ausführlicher zu erklären. Wäre vielleicht mal Thema für eine Seite oder so. Aber ich bin schon froh, dass mir die gute Ärztin keine Vortrag gehalten hat, wie toll Skillsgruppen sind. Allerdings rät sie zu einer ambulanten Psychotherapie. Die ich ja ablehne. Da ich da dann auch nur noch heulend (und nicht mehr zu beruhigen) da saß, hat meine Betreuerin den Part übernommen. Ich hab wesentlich später gesagt, dass ich zurzeit eh niemand vertrauen kann und mich auf niemand einlassen kann- da meinte selbst die Ärztin, dann würde das zurzeit nichts bringen.

Alles in Allem war das Gespräch gut. Ich glaube ich kann mit ihr reden. Sehr sinnig, wenn scheinbar genau das nicht ihre Aufgabe zu sein scheint. Aber sie meint auch, ich hätte nun alle Psychopharmaka durch. Weiterhin bleibt für mich das Problem, dass ich nicht weiß, ob ich trennen kann, dass sie nett ist, aber eben halt auch Angestellte der Klinik. Was ich ihr aber auch gesagt habe. Komischerweise scheine ich nicht die einzige Patientin zu sein, die genau das Problem hat. Sind wohl auch schon einige wieder gegangen, obwohl sie die Ärztin nett fanden, aber mit der Klinik nichts mehr zu tun haben wollten.

Bei der Telefonseelsorge, die ich an dieser Stelle nur empfehlen kann, wurde mir mal geraten, dass sie ja auch ambulante Termine anbieten. Also direkt vor Ort und so. Und ich habe nun mal das Glück, ein Büro von denen am Wohnort zu haben. Da gehe ich heute zum zweiten Gespräch hin. Ich bin gespannt.

Mein bestes Cordon Bleu

Friedhofbesuch war relativ ok. Das Essen danach war ziemlich genial. Das war wahrscheinlich das beste Cordon Bleu, welches ich je gegessen habe. Ok das von Mama ist natürlich nicht zu toppen.

Ansonsten irre ich ziemlich verstört durch die Weltgeschichte. Einen unheimlichen Druck, den ich nicht wirklich näher definieren kann. Angst, nur weiß ich nicht wirklich vor was.

Wie jeden Montag, Termin bei der Sozialarbeiterin. Ok die ist nun erst mal im Urlaub. Passenderweise meine Betreuerin auch. Also zwei Wochen ohne Ansprechpartner.

Mal wieder fast heulend im Bus sitzen. Nachdem ich im Vorfeld schon endlos überlegt habe, ob ich mich nun selbstverletzte oder nicht. Dagegen hat an sich nur gesprochen, dass es doch wieder ausarten würde. Wieder mal vor der Klinik gestanden und überlegt, SVV oder nicht. Leider helle Kleidung angehabt.

Die Sozialarbeiterin war bereits vorgewarnt. War für mich absehbar. Meine Stimmung war letzte Woche schon nicht die Beste. Die hat dann auch nachgefragt, was denn der Auslöser sei. Und ich saß da, wusste nicht was ich sagen sollte. Am liebsten hätte ich ihr meine ganze Wut entgegen geknallt. Aber es gibt ja ein Redeverbot zu dem Thema. Sie fragte irgendwann nur, ob ich gerade überlege, wie ich meine Antwort in Worte fassen soll. Als ich dann sagte, dass sei ein Thema über welches ich nicht spreche darf…. naja irgendwie wirkte sie sauer.

Glauben die echt, die Probleme sind aus dem Weg, wenn man mir verbietet darüber zu sprechen? Glauben die echt, die Probleme sind aus dem Weg, wenn man mir sagt, es sei rum, ich soll los lassen? Etwas was ich nicht kann, weil es zu viele offene Fragen gibt und Fragen, auf die ich zu viele widersprüchliche Antworten habe.

Morgen habe ich den zweiten Termin mit der Ärztin dort. Macht mir Angst. Eben weil sie Angestellte der Klinik ist. Auch wenn meine Betreuerin mit dabei ist. Die allerdings nur maximal 3x mitgehen wird. Ob ich noch mal versuchen sollte, meiner Betreuerin zu sagen, dass ich alleine nicht zu der Ärztin gehen mag? Wäre zumindest ein klar formuliertes Bedürfnis.